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Immergrün und bunt geschmückt

Kategorie: Allgemeines Veröffentlicht: 23. März 2018

Palmbuschen-Binden auf dem Franzspeck-Hof

Ostereier, Osterhase und Osterlamm – beim Osterfest dreht sich alles um dieses Trio. Aber nur auf den ersten Blick, denn in Wahrheit gibt es in der Osterzeit noch so viel mehr an gelebtem Brauchtum. Besonders für Pflanzenfreunde spielt der Palmsonntag mit der Palmbuschen-Weihe zu Beginn der Karwoche eine wichtige Rolle.

Gemeinsam mit dem Volkskreis Hallbergmoos trafen sich die Mitglieder des Vereins für Gartenbau und Landespflege Hallbergmoos Freitag nachmittags auf dem Hof der Familie Franzspeck. Im Gepäck hatten sie Palmkätzchen, Buchs und Thuja-Zweige. „Unsere Buschen bestehen ganz klassisch aus diesen drei Bestandteilen“, erklärt Waltraud Franzspeck. Denn dieser „Dreiklang“ steht als Sinnbild des Sieges, des Friedens und der Freude. „Und mir gefällt diese einfache Variante ohne Papierblumen oder sonstigem Beiwerk einfach am besten.“ Wie gut Teamwork funktionieren kann, bewiesen die fleißigen Helferinnen und Helfer in der Halle. Eine Gruppe schnitt beherzt Salweiden-Zweige, Buchs und Thuja auf die richtige Länge zu, während die anderen mit geübten Griffen die Palmbuschen zu handlichen Sträußen banden. So entstanden in Windeseile immer mehr dieser kleinen Prachtstücke, die am Ende noch mit farbigen Bändern verschönert wurden.

Übrigens reicht die Tradition der Palmbuschen weit in die Vergangenheit zurück. Bereits zu Beginn des fünften Jahrhunderts zogen Jahr für Jahr am Sonntag vor Ostern Menschen mit Palmwedeln und Ölzweigen in die Stadt Jerusalem ein. Nachweislich gab es seit dem elften Jahrhundert solche Prozessionen auch in Rom. Von dort aus verbreitete sich diese Tradition auch auf die anderen katholischen Länder. Da es in Deutschland keine Palmwedel gab, wurden als Ersatz andere Pflanzen ausgewählt, die man mit ewigem Leben und Unsterblichkeit verband.

Gartenbauverein Hallbergmoos Palmbuschen-Binden Foto5

Im hinteren Bereich der Halle wurden die Palmstecken gefertigt. Hierbei werden Palmbuschen am oberen Ende eines längeren Holzstiels befestigt. Roland Lipka vom Volkstanzkreis zeigte sich zufrieden mit den bereits fertigen Exemplaren: „In jeden unserer Palmstecken kommt ein Apfel hinein, denn auch er ist Symbol des ewigen Lebens. Aus den Kernen wächst der neue Apfelbaum. Und in dessen Früchten stecken wieder neue Kerne – ein ewiger Kreislauf.“ Die fertigen Palmstecken werden am Palmsonntag aufgereiht in den Kirchenbänken „Spalier stehen“. „Das sieht jedes Jahr einfach toll aus“, sagt Waltraud Franzspeck. Ihr ist es wichtig, dass alte Traditionen auch an die jüngeren Generationen weitergegeben werden. Noch bevor sich die Erwachsenen ans Werk gemacht hatten, durften eine Gruppe Kinder unter der fachkundigen Anleitung von Franzspeck ihr Können beim Palmbuschen-Binden unter Beweis stellen. „Dafür nehme ich mir gerne Zeit!“, so Franzspeck. Hierbei lernten die Kinder auch die Bedeutung der farbigen Bänder kennen. „Gelb-weiß sind beispielsweise die Kirchenfarben. Aber grundsätzlich dürfen die Kinder ihre Palmbuschen natürlich mit den Bändern schmücken, die ihnen am besten gefallen.“

Gartenbauverein Hallbergmoos Palmbuschen-Binden Foto1

 

Die Palmbuschen werden zur Weihe vor Gottesdienstbeginn an der Sankt Theresia Kirche und der Kirche Birkeneck Hallbergmoos gegen eine Spende abgegeben. Diese dient wie immer einem guten Zweck. Wer daran glaubt: Die schützende Wirkung des geweihten Palmbuschens hält bis zur nächsten Fastenzeit an. Dann, am Aschermittwoch, werden die alten Palmbuschen verbrannt. Als Aschekreuz tragen die Kirchenbesucher an diesem Tag die Überreste auf der Stirn.

Gartenbauverein Hallbergmoos Palmbuschen-Binden Foto2

Für Sie berichtete Christine Hofer.

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