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Gibt es ein Leben ohne Bachelor?

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 16. Juni 2019

Martin Frank, Niederbayer und Kabarettist, präsentiert sein aktuelles Programm

Wie möchte man als Künstler begrüßt werden? Mit frenetischem Applaus und lautem Trampeln! Also nochmal alles auf Anfang und dann klappt es: beim zweiten Anlauf wird Martin Frank, der Kabarettist aus Niederbayern, im voll besetzten Gemeindesaal lautstark mit begeistertem Beifall empfangen. Ein gekonntes Warm-up!

Im Rahmen des Hallberger Kultursommers hatte ihn der Förderverein „Freunde der Emmauskirche“ am 14. Juni nach Hallbergmoos eingeladen. Der junge Künstler schlägt in seinem aktuellen Programm „Es kommt wie’s kommt“ einen großen Bogen von der Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof bis zum Leben in der Großstadt. Geboren in der Nähe von Passau, hieß es für das Landkind „lern was Gescheids“, als es um die Berufswahl ging. Er wählte das Rathaus, „denn die nehmen jeden“ und brachte es dort sogar bis zum Standesbeamten. Doch dann kam die große Sinnkrise und damit der Wunsch, auf der Bühne zu stehen. In Salzburg nahm man ihn nicht zum Gesangsstudium an, obwohl er mit dem Singen bereits im heimischen Stall große Erfolge erzielt hatte - die Milchleistung der Rinder steigerte sich gewaltig, als er ihnen Opernarien vorsang („Sind stillende Mütter hier im Saal?“). Also Schauspielschule in München, auch wenn die Familie dagegen war. Damit verbunden der Umzug in die Großstadt mit all ihren Tücken: zu jedem „Grüß Gott“ zu sagen wie daheim - unmöglich, die Wohnungssuche ein Abenteuer - das Stadtleben war gespickt mit Schwierigkeiten, die er anschaulich schildert und damit vor allem die Lachmuskeln des Publikums strapaziert.

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Von den zwischenmenschlichen Beziehungen weiß er ebenfalls Interessantes zu berichten. Wie es mit der Kontaktanbahnung per „Secret Code mit der Gießkanne“ funktioniert, dürfte manchen regelmäßigen Friedhofgänger überrascht haben. Die im Programm allgegenwärtige Oma hat ihm beigebracht, was wichtig ist im Leben: „Erst kommt das Rindvieh, und dann du“... – woran er denkt, wenn sich jemand vordrängelt. Eine seiner großen Sorgen: „ich habe nicht studiert, habe keinen Bachelor, ohne Bachelor bist du ein Depp.“

Sein Feuerwerk an Pointen, die immer wieder in eine völlig unerwartete Richtung steuern, erzeugt im Saal schallendes Lachen. Hat er den Eindruck, dass mal was nicht so ankommt, reagiert er blitzschnell, kleinste Vorkommnisse – „Flaschl umgfoin“ – greift er sofort auf und integriert sie – in diesem Fall als Running Gag - in den Ablauf.

Dass sein Programm weitgehend autobiographisch ist, nimmt man ihm gern ab. Er klagt zwar „ich bin ein arbeitsloser Schauspieler“, doch sieht man sich die Liste seiner Engagements, Fernsehauftritte und vor allem die seiner zahlreichen Auszeichnungen an, dann weiß man, dass er seinen Weg gefunden hat.

Eine Frage hat an diesem Abend mancher nicht nur sich, sondern auch den Organisatoren gestellt: Singt er die Arien, die er so professionell zwischendurch zum Besten gibt, tatsächlich selber? Aufklärung gab es kurz vor dem Schluss: „Ja, tut er!“ Großen Beifall trug ihm zudem ein, dass er an diesem Abend zugunsten der Emmauskirche ohne Honorar auftrat. Was gefiel den Zuschauerinnen und Zuschauern? „Man erkennt sich selber wieder.“ Oder „Man glaubt ihm, was er sagt.“ Und immer wieder: „Er ist so authentisch!“

Ohne Zugabe ließ man ihn nicht von der Bühne: Dass ein totes Huhn auf dem Misthaufen landet, ist für den Bauern normal, aber kann man das der zartbesaiteten Großstädterin zumuten? Martin Frank empfiehlt in diesem Fall eine stimmungsvolle Hühner-Beerdigung als Bestandteil des Touristenprogramms. Passend dazu singt er zum Schluss eine bewegende Abschieds-Arie fürs Hendl - von Händel. Standing Ovations für Martin Frank!

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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