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„Es war die Nachtigall…“

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 04. Oktober 2019

Romeo und Julia – eine zeitlose Geschichte, neu erzählt

Die Story ist bekannt: Zwei verfeindete Familien, deren Kinder Romeo und Julia sich ineinander verlieben. Durch ein Missverständnis endet das kurze Glück mit Tod und Trauer.

Grundsätzlich bleibt das auch in der Inszenierung des UDEI e.V. so, wie man es kennt. Trotzdem dürfte das Publikum bei der Premiere am 4. Oktober im Gemeindesaal Hallbergmoos von manchen Details der Aufführung ziemlich überrascht gewesen sein.

Es ist ein Stück der Gegensätze, und die kommen in der Fassung von Thomas George ganz besonders deutlich zum Vorschein. Das Ensemble setzt sich zusammen aus Profis und Amateuren mit und ohne Handicap. Die Capulets: reich, arrogant, rassistisch. Die Montagus, dargestellt von jungen Geflüchteten aus dem Haus Chevalier in Birkeneck.

Die musikalische Begleitung ist ebenfalls von Gegensätzen geprägt. Das Hallbergmooser Kammerorchester unter Vladimir Genin spielt Stücke aus Renaissance und Romantik, ganz andere Töne – arabische Musik - hört man vom Syrischen Friedens-Chor, dazwischen immer wieder die E-Gitarre des Freisingers Tom Appel.

Zuweilen geht es ziemlich heftig zu, da wird gestritten, gerauft, geboxt und gemordet. Und dazwischen die beiden Liebenden, so jung, so berührend, so liebenswert.

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Herzerwärmend und berührend: das Liebespaar Romeo (Saad Aljafry) und Julia (Lea Bäuerle) in der berühmten Balkonszene 

Wer nicht agiert, sitzt am Tisch. Schauspieler und Schauspielerinnen sind kaum geschminkt und lesen ihre Texte aus dem Manuskript, das sie in der Hand oder vor sich liegen haben. Lediglich der Theaterdirektor (Michael A. Grimm) bewegt sich immer wieder durch den Zuschauerraum, er hat seinen Text auf dem Tablet. Kostüme sind auf ein Mindestmaß beschränkt und Requisiten oder gar Kulissen gibt es kaum. Die berühmte Balkonszene spielt sich auf einer ganz gewöhnlichen Haushaltsleiter ab. Wer gestorben ist, wird mit einem weißen Tuch zugedeckt.

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Er zieht im Ensemble die Fäden: Theaterdirektor Philip Henslowe (Michael A. Grimm)

Neben aller Dramatik gibt es auch immer wieder witzige Situationen. Als die Gäste das Fest der Capulets verlassen, ruft ihnen der Hausherr nach: „Es gibt noch Häppchen!“ Und auf das Gedicht von Erich Fried („Es ist was es ist…“) folgt der Nonsenstext „Dunkel war’s, der Mond schien helle…“ Das Hochzeitsfoto nach der Schnell-Trauung durch Bruder Lorenzo machen Romeo und Julia mit Hilfe eines Selfie-Sticks.

Die Videos - Tarot-Karten, Wörter, ein Puppenhaus, Grabsteine, alte Fotos - die sich in unablässiger Folge über Seitenwände, Bühne und Decke bewegen, erzeugen eigenartigerweise keinerlei Unruhe. Auch wenn sich im Stück die Zeiten vermischen und manches verfremdet erscheint, so fügt sich alles doch zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

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Ihre Kinder sind tot – die verfeindeten Familien versöhnen sich.

Es ist ein bewegender Moment, als sich dann am Ende die beiden verfeindeten Familien über ihren toten Kindern die Hand zur Versöhnung reichen, und für einen Augenblick halten alle im Saal den Atem an. Doch dann ist das Publikum nicht mehr zu halten und bedankt sich mit tosendem Beifall für diesen beeindruckenden Theaterabend.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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