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Die Sehnsucht nach Wild West

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 23. August 2017

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High Noon auf dem Hausler-Hof

Wenn zwei „Greenhorns" arglos gen untergehende Sonne schleichen, um in die Weiten der Hausler-Prairie direkt neben dem Gebiet der Hallbergmooser vorzudringen, müssen sie sich nicht wundern, aber kräftig staunen. Nur wenige Meter hinter der Grenze stellt sich ihnen, inmitten eines Camps von Trappern, Siedlern, Cowboys und Indianern eine imposante Gestalt in schwarz entgegen. Das weiß-graue Haar unter der Hutkrempe bildet einen scharfen Kontrast, genauso wie der braune Patronengurt mir einer schweren und blank polierten Waffe. Am Brustrevers blinkt ein Stern. Der Sheriff!

„Ihr geht euch jetzt einen Hut kaufen, schaut, was euch am besten steht und der Rest kommt von ganz alleine!", Gesetzeshüter Werner Hable blickt angesichts der absoluten Ahnungslosigkeit ein wenig belustigt. Der Hut ist also der Schlüssel zur wahren Identität! Ob es sich hierbei um eine alte Indianerweisheit handelt, bleibt ungeklärt. Western-Anfänger jedenfalls müssen angesichts der Zeitreise ins Jahr 1864 erst einmal kräftig schlucken. Südstaatenfreischärler Günni bietet sogleich die hochprozentige Allzweckwaffe des Lagers an: „Trinkt einen Hudson, der hilft. Das ist Rum, Ahornsirup, mit oder ohne schwarzem Tee, Nelken, Zimt, Vanilleschoten. Jeder hat so sein eigenes Rezept!" Nach dem Genuss des alten Trapper-Gebräus, geht einem Grünschnabel schon beinahe von selbst ein fröhliches „"Howdy" oder „Yee-haw" über die Lippen.

 

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Selbst für manch einen Amerikaner dürfte das Indianer-Trapper-Festival origineller sein, als der originale Wilde Westen in den USA. Andy Streit, Erster Vorsitzender der Southern Stars, organisiert das Top-Event mit ein paar Tausend Besuchern seit 2010: „Es bestand Handlungsbedarf in der weitläufigen Trapper- und Indianerszene. Grob gesehen gibt es zwei Kategorien, oder: Die Trapper haben Durst, die Indianer trinken keinen Alkohol vor ihren Powwows". Nicht einfach, alle unter einen Hut oder eine Feder zu bekommen. Dabei erkennt selbst der grünste aller Neulinge sofort: Hier steckt in allem viel Herzblut, Liebe zum Detail und die Freude am Spiel. „Da taucht man drei Tage in eine andere Welt, kann seine persönliche Festplatte löschen. Hier triffst du Menschen, da interessiert es niemanden, was du im realen Leben machst, egal ob Zahnarzt, Kapitän oder LKW Fahrer", erklärt Sheriff Werner aus Tirol seine Faszination, Ehefrau Claudia nickt zustimmend: „Über den Winter sitze ich da und nähe und nähe, hier noch ein Kleid, da eine Bluse. Die Blusen mache ich immer aufwendiger, nach historischen Schnitten, es macht einfach richtig Spaß."
Kleidung, Lederwaren, Zelte, Ausstattung und anderes kosten ein Vermögen. Doch frei nach Gary Coopers legendärem Credo "Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss" interessiert es die „Infizierten" nicht. Trotzdem entstehen in der Vergangenheit Probleme im „Wilden Westen". Viele Veranstaltungen sind schlecht koordiniert und nehmen sich gegenseitig die Gäste weg. „Da haben wir überlegt, ob wir es nicht schaffen, trotz der Unterschiede, alles unter in einer Veranstaltung zu vereinen", erläutert Streit das Erfolgsrezept. Quasi in einer Nacht- und Nebelaktion stampft Streit eine Homepage aus dem Nichts, nennt die Veranstaltung ITF. Prompt erhält er am nächsten Morgen eine Reaktion. Der ITF ist am anderen Ende der Leitung, auf der Andy Streit sprichwörtlich einen Moment verdutzt steht: „Habt ihr auch etwas mit Indianer und Trappern zu tun?" Nicht ganz! Es ist die International Tennis Federation, die fragt, wie er dazu käme ihr Kürzel zu verwenden? Eine Anekdote, die ganz locker zur Legende dient.


Im „Fort Hausler" oder „Hausler City" ist ein ganz eigener Spirit entstanden. Western-Grünschnäbel wissen gar nicht wohin zuerst: Greifvogelschau, Tanz der (echten) Azteken, Bogenschießen, Powwow, Line Dance oder Live Music im Saloon? Selbst da bringt Prozessmanager Streit zusammen, was zusammen gehört: Christian Jürgens, das große Gesangstalent, und die Bretter, die die Welt bedeuten. Vor einigen Jahren hört er den LKW-Fahrer am Lagerfeuer „Amazing Grace" leise singen: „Mir war sofort klar: der Junge gehört auf die Bühne!" Der 35-Jährige, mit dem für seine Generation vielleicht eigenwilligen Musikgeschmack, ist bescheiden: „Ich hab schon immer für mich gesungen, Elvis, Buddy Holliday und auch Sinatra, aber ich dachte nicht daran, vor Publikum zu singen." Es wäre ein Verlust gewesen. Inzwischen hat er sein Lampenfieber gut im Griff und begeistert die Massen im Saloon. Das wohlverdiente Bierchen am Tresen muss noch ein, zwei Zugaben warten.
Auf dem ITF braucht niemand die Friedenspfeife zu rauchen, die Colts bleiben im Halfter, denn die Hände umfassen höchstes ein Bier, einen Hudson oder die wespengeschnürte Taille einer Frau. Möglicherweise seltsam für die „Zivilen". Doch weise indianische Worte lehren: „Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin", oder wie es Sheriff Werner schmunzelnd ausdrückt: „Jeder hat seinen Vogel, aber das ist auf alle Fälle der harmloseste." Von daher ist es Zeit für die Greenhorns, nach dem passenden Hut zu suchen.

Für Sie berichtete Greenhorn Manuela Praxl.

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