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Voglwuid - bayrisch, witzig, provokativ

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 24. Februar 2019

Der Vogelmayer hautnah im Alten Wirt in Goldach

Er ist schon ein kerniger Bursche, mit der kurzen Lederhosn und den Haferlschuhen! Am 23. Februar war er allerdings mit einer Situation konfrontiert, die zwar für das Publikum in diesem Fall recht angenehm war, für einen Künstler aber nicht unbedingt wünschenswert ist. Es hatten sich nämlich nur rund 30 Zuschauerinnen und Zuschauer beim Alten Wirt in Goldach eingefunden. Glücklicherweise passten alle in das kleine Nebenzimmer, das damit gemütlich voll war und hautnahen Kontakt mit dem Künstler garantierte. So entstand viel Nähe und jeder konnte sich direkt und persönlich von ihm angesprochen fühlen, was er dann auch weidlich nutzte.

Thomas Mayer, alias Vogelmayer, brachte an diesem Abend einen bunten Mix aus Wortwitz, Geschichten und Liedern zu Gehör, mal heiter, mal nachdenklich, mal provokativ. Er ist ein Kabarettist, der jeden auf die Schippe nimmt. Allerdings mit viel Charme und gerecht, denn - egal ob Frauen oder Männer, Junge oder Alte, Österreicher oder Preißn, Politiker oder Wirtschaftsbosse – alle kriegen ihr Fett weg.

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Der Vogelmayer – niederbayerischer Kabarettist und Liedermacher – beim Alten Wirt in Goldach

Die Gäste waren schon vor Beginn ausgesprochen gut gelaunt und ließen sich auf alles ein. Ohne Aufforderung wurde lauthals mitgesungen und mitgeklatscht, beim Rap, „extra für die Jungen“, beteiligten sich alle begeistert mit lautem „Uh!“ und „Ah!“. Und sogar die komplizierte Ballade vom schwarz-weißen Ritter sangen viele textsicher mit. Auch wenn seine Witze zuweilen arg deftig waren und manche einen relativ langen Bart hatten, so konnte man sich trotzdem darüber amüsieren, mit wie viel urwüchsiger Hintersinnigkeit und Spontaneität er sie erzählte. Dazu gehörte auch sein Verdacht, dass der Wirt ein heimlicher Kannibale sei, was das Schild „ältere Frau zum Kochen gesucht“ vermuten lasse.

Was er von sich persönlich schilderte, nahm man ihm ohne zu zweifeln ab, egal ob es sich um seinen Job im Landratsamt handelte, sein Philosophie-Studium oder seine Erlebnisse als Schüler, und es war ansteckend, wenn er immer wieder mal über sich selber lachen musste.

Unüberhörbar seine Liebe zur Heimat – „Dahoam – des is a Gfui“, er ist ein Niederbayer mit Leib und Seele, oder genauer: „Definitionsgemäß bin i a Woidler“. Trotz seiner Bemühungen, „hochniederbayerisch“ zu sprechen, sah er sich zuweilen verständnislosen Mienen gegenüber, aber die „Übersetzung“ ließ dann nicht lange auf sich warten. Zwischendurch las er einige Passagen aus seinem aktuellen Buch „Gaudi zum Beruf machen“, das Witze, Gedichte und Liedertexte und auch manches Persönliche enthält.

Auch wenn er es sich vielleicht anders vorgestellt und lieber in einem voll besetzten großen Saal gespielt hätte, so konnte Vogelmayer mit der familiären „Wohnzimmer-Atmosphäre“ sehr gut umgehen. Dem Publikum hat es ausnahmslos gut gefallen. Auch ohne seinen dezenten Hinweis auf die Möglichkeit einer Zugabe hätten die Gäste stürmisch danach verlangt und es gab viel Beifall, als er sich mit einem politischen Lied und dem Resümee „i ko leider nix verändern!“ verabschiedete.

Es war eine „vogelwuide Gaudi“ – und wer nicht da war, der hat echt was verpasst!

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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