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Traditionelles Truthahnessen des Fördervereins Freunde der Emmauskirche e.V.

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 15. Oktober 2019

Essen bis die Glocken klingen!

Der Förderverein Freunde der Emmauskirche e.V sammelt immer wieder mit diversen Aktionen und Projekten für ihre Kirche in der Bürgermeister-Funk-Straße. Am Sonntag den 13. Oktober steht das Projekt „Glocke" mit dem traditionellen Truthahn-Essen auf der Terminliste des Vereins. Der Erlös des Truthahn-Essens kommt der Anschaffung von Kirchenglocken für die Emmauskirche zu Gute, deshalb heißt das Motto eben auch „Essen bis die Glocken klingen". „Das Truthahn-Essen ist ein Renner in der Gemeinde. Ein großer Aufwand, aber es lohnt sich. Wir haben uns in den letzten Jahren schon schuldenfrei gegessen", lacht Pfarrerin Dr. Juliane Fischer. „Das Truthahn-Essen 2018 und 2019 lag ganz im Zeichen der Anschaffung der Kirchenglocken. Sie werden ab der Adventszeit im Foyer der Kirche aufgestellt, das vorläufige Einweihungsdatum ist der 22 April
2020", berichtet die Pfarrerin weiter. Nach dem Gottesdienst werden der
Kirchengemeinde Fotos zum Glockenbau und ein Video der Gießerei in Passau gezeigt. Der Erste Vorsitzende Uwe Rüddenklau erklärt die Machart und den Hergang zum Glockenbau: „Um die ganze Aktion zu unterstützen ist jede Spende, ob groß oder klein, willkommen. Deshalb bieten wir die Glocke in Kleinform für 15 Euro zum Verkauf", erläutert Rüddenklau den Zuhörern. Wie jedes Jahr gibt es nach der Präsentation noch den Hinweis auf den beliebten Adventskalender der
für fünf Euro erworben werden kann.

Truthahnessen St. Emmaus Kirche 1

Alle packen an! Die ehrenamtlichen Mitglieder des Fördervereins Freunde der Emmauskirche: der Zweite Vorsitzende Frank Schmidt, Beisitzerin Karin Eigeldinger, der Erste Vorsitzende Uwe Rüddenklau, Pfarrerin Dr. Juliane Fischer und der freiwillige Helfer Michael Ulverich (v.l.n.r.).

 

Karin Eigeldinger aus dem Förderverein erklärt weiter: „Die Glocken sind am Freitag gegossen worden, sie müssen auskühlen und werden dann geliefert. Der Kostenpunkt beträgt zirka 60.000 Euro mit Glockenspiel und allem, was dazu gehört. Dankenswerterweise haben wir einen Zuschuss von der Gemeinde bekommen, der Rest muss durch Spendengelder gestemmt werden."
Die Kirchenglocken werden von der Glockengießerei Perner in Passau angefertigt. Ein Traditionsunternehmen, dass auf eine Erfahrung aus über 300 Jahren Glockenguss und Kirchturm- und Glockentechnik zurückgreifen kann. Zwei Glocken werden den Turm der evangelischen Kirche bereichern und der Klang wird mit den Glocken der katholischen Kirche synchronisiert. „Damit es nicht wie in den alten Don Camillo und Peppone-Filmen zum Streit kommt!", sagt der Zweite Bürgermeister Josef Niedermair im Spaß in die Runde. Niedermair ist mit seiner Ehefrau unter den zahlreichen Gästen. Bänke und Stühle sind im Gemeindesaal
und im kleinen Garten davor aufgestellt. Die Essens-Verteilung wird vom Vorstand des Vereins und zahlreichen freiwilligen Helfern gestemmt. Der gesamte Vorstand nebst Schatzmeisterin und Beisitzer ist vertreten: Schatzmeisterin Angelika Reiter verwaltet die Spendenkasse, der erste Vorsitzende Uwe Rüddenklau zerlegt höchstpersönlich die leckeren Truthähne, geliefert von Feinkost Esteves in der Theresienstraße, und Frank Schmidt, der Zweite Vorsitzende, ist für die Getränke zuständig. Die Kartoffel-Gratins und das Kuchenbüffet wird von ehrenamtlichen
Helfern aus der Gemeinde gestellt. Auch Pfarrerin Dr. Juliane Fischer lässt es sich nicht nehmen, nach dem Gottesdienst bei der Essens-Vergabe mitzuhelfen.
Nun steht der Präsentation der neuen Kirchenglocken in der Adventszeit in der Emmauskirche nichts mehr im Wege. Die Herstellung einer Glocke ist ein Kraftakt und erfordert handwerkliche Meisterleistung. Alle Berechnungen, Vorbereitungen und Arbeiten finden im Guss der Glocken ihren Höhepunkt. Fließt einmal die Legierung aus 78% Kupfer und 22% Zinn bei zirka 1100 Grad Celsius, so kann man sie nicht mehr stoppen. Die Form muss in einem Zug gegossen werden, und alles entscheidet sich in wenigen Minuten. Ist das Werk gelungen? Erst Tage später können die nur langsam erkaltenden Formen aus der Erde geborgen, der Mantel abgeschlagen und die fertigen Glocken geprüft werden. Inzwischen werden in der Schmiede und Zimmerei die maßgeschneiderte
Läuteausrüstung, der Klöppel und der Glockenstuhl gefertigt.
Also eine seltene Gelegenheit, die aufwendig hergestellten Kirchenglocken zu bewundern, bevor sie im Kirchturm der Emmauskirche verschwinden. Jeder kann sie ansehen und alle Interessierten sind dazu herzlichst eingeladen.

 

Truthahnessen St. Emmaus Kirche 7

Eine gute Idee für den großen und kleinen Spendenbeutel: Die Glocken werden in Kleinform für 15 Euro zum Verkauf angeboten.


Wissen Sie, wie eine Kirchenglocke entsteht? Eine kleine Fibel zur „Kunst an der Glocke".
Um die Glocke gießen zu können, wird zuerst aus Lehm eine falsche Glocke gebaut. Die Kronenhenkel, Verzierungen, Reliefe und Ornamente sollen in einem Guss mit der Glocken entstehen. Ziel ist es, dass die Glocke nach dem Guss ihre gegossene "Haut" behalten kann und die Verzierungen nur gebürstet bereits klar und sauber das Ergebnis sind. Sowohl die Größe als auch die Art der Schrift werden dabei für jede Glocke individuell errechnet und gestaltet. Anhand der ausgewählten Motive entsteht in der Werkstatt die Reliefstruktur der neuen Glocke. Die so entstandenen Konturen geben den Gesichtern und Kleidungen den
entsprechenden Ausdruck. Spezielle Wachsmischungen, Erfahrung und Gefühl sind die Grundlagen für ein perfektes Umsetzen der Vorlagen. Jeder Buchstabe, jedes Zeichen und jede Verzierung wird von Hand ausgeschnitten, nachdem die Wachsplatten dafür in der gewünschten Dicke gegossen worden sind. Die Kronenhenkel werden als Rohvorlage aus Gipsvorlagen abgegossen. Bildhauerisches Talent findet hier den Boden für seine Entfaltung. Der Zierlehm, eine in der Werkstatt selbst hergestellte Lehmmasse, bei der Glockengießerei Perner nach jahrhundertealtem Familienrezept, wird nun vorsichtig auf die
Wachsmodelle und die falsche Glocke aufgebracht. Diese Masse wird durch einfache Lufttrockung feuerfest und hält der Hitze der flüssigen Bronze beim Gießen stand. Die Herstellung im traditionellen Lehmformverfahren hat sich bewährt. Das Verfahren, Glocken zu machen, wird schon im 9. Jahrhundert von Theopilus beschrieben und hat sich bis heute bei Perner nicht geändert. Bisher haben alle Versuche, das Lehmformverfahren schneller oder billiger zu machen, oder, sogar durch ein anderes zu ersetzen, nie zum Erfolg geführt. Heute werden
Glocken, wenn sie im Sand geformt und in Stahl oder Eisen gegossen sind, nach wenigen Jahrzehnten wieder von den Türmen genommen und durch Bronzeglocken ersetzt. In der Theorie gibt es noch andere Formmaterialien, doch hat sich gezeigt, dass das klassische Lehmformverfahren in seiner konsequenten Anwendung garantiert, dass der Klang und gleichzeitig die Haltbarkeit von Glocken optimal sind.

Für Sie berichtete Petra Springer.

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