Sondersitzung Gemeinderat zur Ansiedlung Drohnenfirma auf der Senderwiese

Kategorie: Gemeinderat

Jetzt teilen:

Gemeinderat stimmt nach emotionaler Debatte mit 16:6 für das Helsing-Projekt. Öffentliche Vorstellung des Projekts am Donnerstag 26.03. um 19:00 im Gemeindesaal.

Es war eine der wichtigsten und zugleich schwierigsten Entscheidungen der vergangenen Jahre in Hallbergmoos: In einer Sondersitzung hat der Gemeinderat am Dienstagabend den Weg für die weitere Entwicklung der Senderwiese frei gemacht. Nach einer langen, teils emotionalen, aber insgesamt sehr offenen Debatte wurden alle drei Beschlusspunkte jeweils mit 16:6 Stimmen angenommen. Damit kann das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans für ein Sondergebiet „Produktionsbetriebe Landesverteidigung“ eingeleitet werden.
Auffällig war dabei von Beginn an, dass die Diskussion nicht streng entlang der Fraktionen verlief. Vielmehr war spürbar, dass viele Gemeinderätinnen und Gemeinderäte individuell mit der Entscheidung rangen. Mehrfach fiel im Laufe des Abends der Satz, man habe „schlecht geschlafen“. Dieses Motiv zog sich fast durch die gesamte Debatte.

Grundsätzlicher Abwägung
Bürgermeister Benjamin Henn machte gleich zu Beginn deutlich, worum es an diesem Abend geht: um eine Richtungsentscheidung zwischen ökologischer Verantwortung, wirtschaftlicher Entwicklung und sicherheitspolitischer Bedeutung. Er sprach von einer schwierigen Abwägung. Einerseits gehe es um eine große Freifläche mit ökologischer Relevanz, andererseits um ein Vorhaben mit erheblicher Tragweite für Landesverteidigung, Technologie und Standortentwicklung.
Henn betonte mehrfach, dass Hallbergmoos sich diese Entscheidung nicht leicht mache. Im späteren Verlauf verwies er zusätzlich auf die angespannte Haushaltslage und rückläufige Gewerbesteuereinnahmen. Wenn die Gemeinde ihren Standard halten wolle, brauche sie auch wirtschaftliche Perspektiven. Zugleich kündigte er an, dass die Öffentlichkeit frühzeitig eingebunden werden solle.

CEO Wolfgang Gammel stellt Helsing und die Pläne vor
Noch vor der eigentlichen Debatte stellte Wolfgang Gammel, CEO von Helsing Deutschland, das Unternehmen und die Planungen für Hallbergmoos vor. Er skizzierte die Geschichte des 2021 gegründeten Unternehmens, das sich als europäischer Anbieter von Verteidigungstechnologie mit Schwerpunkt auf Software, künstlicher Intelligenz und unbemannten Systemen versteht.
Gammel verwies auf das starke Wachstum, die internationale Ausrichtung und die Finanzierung des Unternehmens. Für Hallbergmoos stellte er den Plan einer sogenannten „Resilience Factory“ mit Technologiehub vor. Vorgesehen sei auf einem Teilbereich der Senderwiese südlich der Grünecker Straße zunächst eine hochautomatisierte Produktionsanlage, später ein Technologiehub für Forschung und Entwicklung. Nach den bislang bekannten Daten umfasst das anvisierte Gelände rund 350.000 Quadratmeter, zunächst sollen etwa 120.000 Quadratmeter erschlossen werden. Weitere Flächen seien für strategische Erweiterungen und Zulieferstrukturen vorgesehen. Die Gemeinde will dafür auf rund 45 Hektar ein Sondergebiet ausweisen.
Gammel argumentierte, Hallbergmoos sei wegen seiner Infrastruktur, der Nähe zum Flughafen, der Verkehrsanbindung und der vorhandenen Technologielandschaft ein besonders geeigneter Standort.

Werbung

Die Stimmen aus dem Gemeinderat

Deutliche Zweifel am Standort – keine Zustimmung
Stefan Kronner (SPD) äußerte sich kritisch zur geplanten Ansiedlung auf der Senderwiese. Grundsätzlich stehe er Ansiedlungen zwar offen gegenüber, betonte er, jedoch nicht an jedem Standort. Aus seiner Sicht sei die Senderwiese für ein solches Vorhaben nicht geeignet.
Kronner stellte insbesondere infrage, ob die Gemeinde mit der Entwicklung dieser Fläche nicht wichtige Zukunftsmöglichkeiten aus der Hand gebe. Die Senderwiese habe eine besondere Bedeutung, die man nicht vorschnell aufgeben dürfe. In der Abwägung kam er daher zu dem Schluss, dass er der Änderung des Flächennutzungsplans nicht zustimmen werde.

Deutlich ablehnend, trotz Rolle als Wirtschaftsreferent
Sehr kritisch äußerte sich Marcus Mey (CSU). Er stellte ausdrücklich klar, dass er nicht als Wirtschaftsreferent spreche, sondern als Gemeinderat. Mey kritisierte vor allem die Freigabe einer aus seiner Sicht besonders wertvollen Fläche für ein Unternehmen, dessen wirtschaftliche Entwicklung er skeptisch bewertete. Er verwies auf die starke Finanzierung über Investoren und stellte die Frage, wie groß der konkrete Nutzen für Hallbergmoos am Ende tatsächlich sei. Mey sagte offen, dass er mit dieser Entscheidung gerungen habe und schlecht geschlafen habe. Für ihn überwogen die Bedenken mit Blick auf die Fläche und die langfristige Entwicklung der Gemeinde. Er lehnte das Projekt ab.

Ökologischer Wert für ihn entscheidend
Robert Wäger (Grüne) stellte vor allem die ökologische Bedeutung der Fläche in den Mittelpunkt. Er fragte nach Bodenbrütern, seltenen Pflanzen, Ausgleichsmaßnahmen und der konkreten Umsetzung des Naturschutzes. Ihm ging die bisherige Behandlung des Standorts zu schnell. Er machte deutlich, dass er die Firma nicht grundsätzlich infrage stelle, wohl aber den gewählten Standort. Im späteren Verlauf blieb Wäger bei seiner Linie: Für ihn war die Fläche an dieser Stelle zu wertvoll, um sie in dieser Form zu entwickeln.

Große Zukunftschance für Hallbergmoos
Christian Krätschmer (CSU) war einer der ausführlichsten Befürworter des Projekts. Er ordnete die Entscheidung in die Entwicklungsgeschichte der Gemeinde ein und erinnerte daran, dass Hallbergmoos in der Vergangenheit mehrfach mit mutigen tandortentscheidungen gut gefahren sei.
Krätschmer argumentierte, dass sich die weltpolitische Lage verändert habe und Themen wie Drohnen, künstliche Intelligenz und Verteidigungstechnologie künftig eine deutlich größere Rolle spielen würden. Für ihn sei die Ansiedlung deshalb eine Zukunftschance. Selbst wenn sich ein Unternehmen verändere oder scheitere, bleibe ein starker und verkehrsgünstiger Standort. Für ihn überwogen klar die Chancen.

Erst abwägend, später deutlich genervt
Thomas Henning (Freie Wähler) zeigte zunächst Verständnis für die schwierige Entscheidung. Er betonte, dass es ein klassisches Abwägen sei, hielt den Standort aber am Ende für richtig. Gerade die Lage an der S-Bahn und die Möglichkeit, Gewerbe besser an den Bahnhof anzubinden, sprach für ihn für die Senderwiese.
Im späteren Verlauf wurde Henning deutlich schärfer. Ihm ging die Debatte erkennbar zu lange. Verärgert sagte er sinngemäß, es sei kaum nachvollziehbar, einem Unternehmen, das nach Hallbergmoos kommen wolle, zu erklären, es solle lieber woanders hingehen. Schließlich beantragte er die Beendigung der Debatte und die Abstimmung.

Sichtbar ringend, am Ende Zustimmung
Markus Loibl (Einigkeit) schilderte sehr offen seinen inneren Konflikt. Er verwies auf die Argumente der Landesverteidigung und des Technologiestandorts, sprach aber auch die steigende Versiegelung und die Belastung von Flächen an. Er beschrieb die Entscheidung als eine der schwierigsten seiner Amtszeit. Letztlich kam er dennoch zu dem Schluss, dass die Bedeutung von Technologie, Forschung und Entwicklung für Hallbergmoos schwerer wiege.

Alternativen geprüft, aber nicht überzeugend
Alexander Mademann, Wirtschaftsförderer der Gemeinde, warb aus Sicht der Standortentwicklung für das Projekt. Er erläuterte, dass andere Flächen geprüft worden seien, diese aber entweder nicht in ausreichender Größe verfügbar, bereits anderweitig gebunden oder planerisch nicht sinnvoll seien. Er unterstrich, dass Hallbergmoos in den vergangenen Jahren auch namhafte Unternehmen verloren habe und die Gemeinde deshalb neue Perspektiven brauche. Die Ansiedlung von Helsing könne helfen, wieder einen technologieorientierten Schwerpunkt aufzubauen.

Alternativen im Blick – klare Ablehnung des Standorts
Sabina Brosch (Grüne) stellte in ihrem Beitrag klar, dass sie die grundsätzliche Bedeutung von Verteidigungstechnologie und die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen anerkennt. Ihre Entscheidung richtete sich daher nicht gegen die Branche an sich, sondern gegen den vorgesehenen Standort in Hallbergmoos.Für sie war ausschlaggebend, dass die Senderwiese eine wichtige Freifläche darstellt, deren Entwicklung gut begründet sein müsse. In der Abwägung verwies sie darauf, dass aus ihrer Sicht auch andere, bereits geprüfte Standortoptionen existieren, die für eine Ansiedlung infrage kommen könnten.
Gerade vor diesem Hintergrund sah sie keinen zwingenden Grund, die Senderwiese für dieses Projekt aufzugeben. Brosch sprach sich deshalb klar gegen die Planung aus und plädierte dafür, die Fläche langfristig für kommende Generationen zu erhalten.

Demokratie in Echtzeit – und am Ende Ja
Tanja Knieler (CSU) sprach von einer „Studie der Demokratie“. Viele hätten gerungen, schlecht geschlafen und sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Gerade deshalb sei die offene Debatte wichtig. Knieler räumte ein, dass es natürlich um eine Naturfläche gehe und die Bedenken ernst zu nehmen seien. Gleichzeitig kam sie aber zu dem Schluss, dass hier auch Verantwortung für Landesverteidigung, technologische Entwicklung und künftige zivile Nutzungsmöglichkeiten eine Rolle spielen. Gerade bei Drohnen und neuen Technologien sehe sie nicht nur den militärischen Aspekt, sondern auch künftige zivile Anwendungen. Deshalb sprach sie sich am Ende für die Vorlage aus.

Richtungsweisende Entscheidung mit hohem Risiko
Wolfgang Reiland (Einigkeit) nannte die Entscheidung eine der wichtigsten und schwierigsten überhaupt. Für ihn war klar, dass hier zwischen Ökologie und Ökonomie abgewogen werde. Er formulierte die Sorge, dass man eine grüne Fläche für etwas freigebe, dessen konkrete Zukunft noch nicht bis ins Letzte feststehe. Gerade diese Unsicherheit war für Reiland entscheidend. Ihm war das Risiko am Ende zu groß. Deshalb kündigte er an, nicht zuzustimmen.

Zukunft des Standorts im Blick
Markus Streitberger (Freie Wähler) sagte ebenfalls, dass er schlecht geschlafen habe. Für ihn war aber entscheidend, dass Hallbergmoos an seine Zukunft denken müsse. Er verwies darauf, dass Gewerbesteuer schwanken könne und man sich deshalb breiter aufstellen müsse. Zudem sprach für ihn die Anbindung an die S-Bahn und die Möglichkeit, Verkehr direkt dort abzufangen. Am Ende unterstützte auch er die Beschlussvorlage.

Eher bodenständig-pragmatische Zustimmung
Herrmann Hartshauser (Einigkeit) wirkte in seinem Beitrag eher abwägend und pragmatisch. Er stellte Fragen zum tatsächlichen Flächenbedarf und zur Größe des Eingriffs, machte aber zugleich deutlich, dass die Bedeutung des Projekts für Landesverteidigung und Standortentwicklung nicht kleinzureden sei. Unter dem Strich signalisierte er, dass er mit dem Vorhaben leben könne und zustimme.

Pragmatischer Blick auf Fläche und Entwicklung
Josef Fischer (Freie Wähler) brachte in seinem Beitrag eine auch eher bodenständige und pragmatische Sicht ein. Er relativierte die Darstellung der Senderwiese als besonders unberührten Naturraum und verwies darauf, dass die Fläche bereits genutzt werde und nicht völlig unangetastet sei. „Man darf die Fläche jetzt auch nicht so darstellen, als wäre das völlig unberührte Natur. Die wird genutzt – und wir müssen auch ehrlich sagen: Wir brauchen als Gemeinde Entwicklungsmöglichkeiten.“ Fischer stellte klar, dass Hallbergmoos nur dann handlungsfähig bleibe, wenn wirtschaftliche Entwicklung möglich sei – etwa im Hinblick auf Infrastruktur, Vereine und freiwillige Leistungen. In dieser Abwägung sprach er sich letztlich klar für das Projekt aus.

Gut informiert, mit Blick auf Infrastruktur und Wohnen
Rudolf Zeilhofer (CSU) betonte, dass er sich ausreichend informiert fühle. Er stellte sich hinter Verwaltung und Verfahren und machte deutlich, dass die Vorarbeit aus seiner Sicht ordentlich geleistet worden sei. Für ihn war wichtig, dass mit einer möglichen Ansiedlung auch Themen wie Infrastruktur und Wohnen mitgedacht werden müssten. Grundsätzlich sah er das Projekt aber als Chance und stand hinter dem Kurs.

Werbung

Am Ende 16:6 – und eine Debatte, die nachwirken wird
Nach langer Diskussion wurden die drei Beschlusspunkte schließlich einzeln abgestimmt.
Zunächst hob der Gemeinderat den früheren Beschluss aus dem Jahr 2022 auf, wonach in der laufenden Wahlperiode keine weiteren Beschlüsse zur städtebaulichen Entwicklung der Senderwiese gefasst werden sollten.
Anschließend wurde die Änderung des Flächennutzungsplans in Richtung Sondergebiet „Produktionsbetriebe Landesverteidigung“ beschlossen. Schließlich erhielt die Verwaltung den Auftrag, das Verfahren einzuleiten und die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit vorzubereiten.
Alle drei Punkte wurden jeweils mit 16:6 Stimmen beschlossen.
Am Ende stand damit eine klare Mehrheit. Noch deutlicher blieb aber vielleicht ein anderer Eindruck hängen: Dass sich viele Ratsmitglieder diese Entscheidung keineswegs leicht gemacht haben. Zwischen dem Hinweis auf den Schutz der Fläche, den Chancen für Gewerbesteuer und Arbeitsplätze, den Fragen der Landesverteidigung und der Zukunft des Standorts Hallbergmoos wurde an diesem Abend sichtbar gerungen.

Bürgerversammlung / Infoveranstaltung
Alle Bürgerinnen und Bürger von Hallbergmoos sind nun aufgefordert und eingeladen sich am Donnerstag 26.03.2026 um 19:00 ( Einlass 18:30 ) im Gemeindesaal  einen persönlichen Eindruck über das Vorhaben zu verschaffen.

Für Sie berichtete Heiko Schmidt.

Jetzt teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Gemeinderat

Drohnenfirma auf der Senderwiese Hallbergmoos – Gemeinderat bringt Großprojekt auf den Weg

Hallbergmoos-Gemeinderat-Mooskurier-online
Gemeinderat

Gemeinderatssitzung vom 10.03.26

Gemeinderat

Sondersitzung Haushalt vom 24.02.2026

Hallbergmoos-Gemeinderat-Mooskurier-online
Gemeinderat

Gemeinderatssitzung vom 10.02.26

Neueste Meldungen:

Geburtstage

Olympia Kokoviadou feiert ihren 90. Geburtstag

Gemeinderat

Drohnenfirma auf der Senderwiese Hallbergmoos – Gemeinderat bringt Großprojekt auf den Weg

Werbung

IKOS_Teamfoto_21102021 164_bearbeitet

Verstärken Sie unser Mooskurier-Team!

weitere Infos