Letzte Jahreshauptversammlung im angestammten Haus mit lachendem und weinendem Auge

Kategorie: Vereine

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Bis zum letzten Platz gefüllt: Die letzte Jahreshautversammlung in alten Gemäuern vor dem großen Umzug.

„Time to say Goodbye” stimmt langsam an

„Über 40 Jahre steht er da, unser Kamerad. Liebes Feuerwehrhaus, wir danken dir recht herzlich, dass du immer für uns da warst.“ Obwohl es noch ein paar Monate bis zum Umzug ins neue geräumige Gebäude sind, läutet Kommandant Stephan Zobel auf der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Goldach den Abschied von den lieb gewonnenen Mauern ein. „Ich bin nicht aufgeregt, aber es ist etwas Besonderes“, verrät Zobel: „Hier habe ich meinen 30., 40., 50. und 60. Geburtstag gefeiert. Da hängt extrem viel dran. Ich bin mit diesen Mauern alt geworden.“ Wie viele unbezahlte Stunden die Feuerwehrler in den vergangenen Jahrzehnten von dort ausgerückt sind, um Menschen und deren Hab und Gut zur retten, lässt sich als Laie nur erahnen. Ehrenamt sei aber „keine Arbeit, die nicht bezahlt wird“, erklärt Zobel, „sondern ist Arbeit, die unbezahlbar ist. Nur so geht´s. Die geleisteten Stunden verdienen höchsten Respekt.“

First Responder machen 2025 den Löwenanteil aller Einsätze
Darunter fallen auch die sogenannten „First Responder“- Einsätze. Dabei verkürzen qualifizierte Einsatzkräfte der Wehr im Ernstfall die Zeit bis zum Eintreffen eines Rettungswagens und leiten lebensrettende Maßnahmen ein. In über 60 Prozent der Fälle treffen die geübten Kollegen zwischen einer und sieben Minuten vor dem Rettungsdienst ein: „Das ist in vielen Fällen entscheidend. In 21 Prozent sind wir gleichzeitig vor Ort. Auch das ist nicht umsonst, dann sind wir gerne unterstützend tätig. In wenigen Fällen beträgt der Zeitvorteil gute 20 Minuten. Insgesamt waren es 226 Einsätze“, erläutert Andreas Dobmeier, Leiter des Teams. Es sei eine stete Steigerung zu verzeichnen, so Dobmeier. „Wir hatte fünf Monaten mit bis zu je 28 Alarme. Wäre schön, wenn man sich darauf einstellen könnte, aber so funktioniert das ja nicht. Teilweise fahren wir drei- bis viermal täglich raus, manchmal von einem direkt zum nächsten Einsatz.“

Motivation: Die Situation für den Einzelnen entscheidend verbessern
In den meisten Fällen erfahren die Kameraden nichts vom Ausgang ihrer Bemühungen um das Leben eines Menschen. „Das ist auch gut so, damit wir uns abgrenzen können“, so Dobmeier, der dann zwei besondere Fälle schildert: „Wir hatten einen Patienten mitversorgt, der später mehrere Bypässe bekam. Als Dank für unseren Einsatz hat er unserer Wehr Grillfleisch im Wert von 200 Euro gespendet.“ Das gehe in die Feuerwehrkasse, freut sich Dobmeier, der anschließend von einem fachlich „sehr herausfordernden“ und vor allem „sehr emotionalen“ Einsatz erzählt: „Eine 25-jährge sprach während der Versorgung zunächst mit uns, bevor sich ihr Zustand plötzlich so dramatisch veränderte, dass wir sie reanimieren mussten.“ Nahezu 150 Tage benötigt die junge Frau nach weiteren Reanimationen im Krankenhaus bis zu ihrer Genesung: „Sie kam unerwartet mit ihrer Familie zur Christbaumversteigerung und hat sich bei uns bedankt. Das hat uns schon sehr überwältigt, weil das eben sehr selten ist. Sie und die Eltern sind jetzt im Verein.“

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Gleichbleibend hohes Niveau
307 Einsätze mit 730 Einsatzstunden verzeichnet die Wehr insgesamt für das vergangene Jahr. Dazu kommen Übungen und Lehrgänge, in der Summe sind es 4.445 Stunden. 57-mal muss sie wegen ausgelöster Brandmeldeanlagen ausrücken, elfmal zu Bränden und zweimal wegen Gefahrenstoffe – alles Zahlen, die mit den 2024 vergleichbar sind. Lediglich die technischen Hilfsleistungen gehen signifikant zurück: von 29 auf elf. „Die Leistung ist nicht selbstverständlich. Wir können uns nur bedanken, dass ihr dafür sorgt, dass wir uns sicher fühlen dürfen“, lobt Bürgermeister Benjamin Henn die Freiwilligen.

Neue Jugendgruppe schlägt „brutal zu Buche
92 aktive Mitglieder versehen derzeit ihren Dienst, darunter 66 im Alter zwischen 16 und 65 Jahren. 26 Mädchen und Jungen zwischen zwölf und 15 Jahren bilden die starke Nachwuchstruppe unter Leitung der Eheleute Andreas Voigt und Sandra Goldonienko-Voigt. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man sieht, dass die Jugend Interesse hat. Nicht nur die Alten sind die Guten. Die Jugendlichen sind mindestens genauso gut und werden noch viel besser, da bin ich ganz zuversichtlich“, betont Zobel. Lange Gesichter wegen mangelnden Interesses am Ehrenamt gebe es in Goldach demnach nicht: „Hier kann man nur sagen: es funktioniert“, stellt Zobel fest und begrüßt die ü18-Neuzugänge (Felix Hareiter, Sofia Kapfenberger, Thomas Mayer und Tim Schuhmacher) mit dem traditionellen Handschlag. Die Freiheit der Wahl Auch die Bilanz von Vereinsvorstand Robert Lackermeier fällt nach der bis auf den Cent stimmenden Kasse positiv aus. Die klingle, dank der kontinuierlichen Arbeit und satter Spenden, so laut wie nie. Dennoch sei das angesichts deutlich gestiegener Preise kein Grund zur Sorglosigkeit: „Der Geldbeutel der Leute wird schmaler. Trotzdem kommen sie zu unseren Festen oder uns spenden etwas.“ Daher müsse die Wehr Essen und Getränke subventionieren: „Wir heben die Preise bewusst nicht an, weil wir zum Beispiel unser Lampionfest für Familien beibehalten wollen.“ So kurz vor den Kommunalwahlen ruft Lackermeier schließlich noch zum Gang an die Urnen auf. Es gehe darum „Zukunft zu gestalten, die von Demokratie und Respekt geprägt“ sei: „Wir haben das hohe Gut wählen zu dürfen, das ist keine Selbstverständlichkeit.“

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Ehrungen aktiver Dienst
10 Jahre:
Marko Putzke

25 Jahre:
Ralf Wüstling, Christian Helminger

30 Jahre:
Wolfgang Trapp, Michael Rothkopf

Ehrungen Verein
10 Jahre:
Atsadawuth „Joy“ Sangang

20 Jahre:
Marianne Lachner, Florian Pretzl, Martina Reichmann, Jens Voges

30 Jahre:
Resi Frank, Therese Westermeier, Robert Heilmair, Johann Helminger sen., Michael Rothkopf

40 Jahre:
Erwin Helkert, Helmut Mittermeier

70(!) Jahre:
Josef Wimmer

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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