Anselm Küchle, Sportlicher Leiter der Fußballabteilung des VfB Hallbergmoos-Goldach
„Wir wollen die gute Ausgangsposition nutzen“
In der laufenden Saison 2025/26 der Landesliga Südost ist bereits ein großes Stück des Weges zurückgelegt: Von 34 geplanten Spielen wurden bislang 22 absolviert. Die Fußballer des VfB Hallbergmoos haben aufgrund eines ausgefallenen Spiels nur 21 Partien bestritten und stehen mit einer Bilanz von 13 Siegen, zwei Unentschieden und sechs Niederlagen bei 41 Punkten auf dem 6. Tabellenplatz. Der Abstand zum Spitzenreiter Wasserburg, der jedoch ein Spiel mehr ausgetragen hat, beträgt lediglich vier Punkte. Kurz vor dem Ende der Winterpause haben wir den Sportchef Anselm Küchle zu einem exklusiven Interview für den Mooskurier gebeten.
»Könnten Sie sich in der Winterpause etwas von der ereignisreichen bisherigen Saison erholen?
Anselm Küchle: Ja, definitiv. Die Pause tut gut, um Abstand zu gewinnen und Dinge einzuordnen. Ganz abschalten gelingt im Fußball nie, aber genau diese Mischung aus Erholung und Reflexion ist schön und wichtig. Gleichzeitig geht es natürlich immer darum auch ein Stück weit in die Zukunft zu denken.
»Die bisherige Saison hatte packende Begegnungen. Was ist Ihr Fazit?
Wir sind grundsätzlich mit einem sehr positiven Gefühl in die Pause gegangen, weil wir eine sportliche Entwicklung in der Mannschaft erkennen können, gleichzeitig ist auch die Punktanzahl in Ordnung, auch wenn sicher auch noch ein paar mehr Punkte möglich gewesen wären. Wir wissen, wo wir uns verbessern müssen.
»In der bisherigen Saison gab es für den VfB sowohl tolle Siege als auch schmerzhafte Niederlagen. Welche Spiele sind für Sie besonders in Erinnerung geblieben und warum?
Die 21 Partien hatten einiges zu bieten, es bleiben viele Spiele in Erinnerung wie der Auftaktsieg gegen Wasserburg, mit der Unterstützung einer tollen Kulisse. Natürlich genauso der Auswärtssieg in Unterhaching, als wir eine tolle 2. Halbzeit mit viel Leidenschaft und Siegeswille gezeigt haben. Nicht zu vergessen für mich der Last Minute Sieg in Traunstein, als wir in der ersten Halbzeit eigentlich 3, 4:0 führen müssen und dann fast die Punkte aus der Hand gegeben hätten. Simon Werner, nicht unbedingt als Kopfballungeheuer bekannt, hat dann den Sieg geköpft. Ich habe dann einen Jubellauf diagonal über das Spielfeld angesetzt, die Auswirkungen habe ich lange gespürt.
»Ihr Team hat bisher 56 Tore erzielt, aber auch 38 Gegentore kassiert. Wie bewerten Sie das offensive Potenzial und die Abwehrarbeit?
Wir haben diese Saison gezeigt, dass wir unabhängig von der Startelf, sehr torgefährlich sind. Das zeigt sich auch darin, dass wir 17 unterschiedliche Torschützen und Vorbereiter haben. Natürlich ist es auch schön, dass wir mit Emil Kierdorf einen Torjäger in unseren Reihen haben und Ari Kurmehaj hat beispielsweise bereits 13 Tore vorbereitet. Zudem haben wir in 21 Spielen bereits 20 Tore durch Standardsituationen erzielt. Das ist definitiv ein top Wert. Gleichzeitig haben wir aber definitiv zu viele Tore kassiert, das wollen wir in den 13 ausbleibenden Spielen verbessern. VfB Hallbergmoos-Goldach – Fußball „Wir wollen die gute Ausgangsposition nutzen“
»Mit dem neuen Trainerteam hat sich sicherlich einiges verändert. Wie beurteilen Sie den Einstieg und die Arbeit des Trainerteams bisher?
Das Trainerteams, der gesamte Staff und die Mannschaft sind sehr schnell zusammengewachsen, das war ein sehr wichtiges Fundament und ist aus meiner Sicht bei Neukonstellationen ein Erfolgsfaktor. Daran haben die Trainer einen großen Anteil, weil sie von Anfang an die Bedeutung kannten. Neben dem daraus entwickelten Teamgedanken haben Gigi, Mario und Andi auch sportlich viele Akzente eingebracht, mit denen ich sehr happy bin. Wir waren uns einig, dass der VfB Fußball Erkennungswert haben sollte, wie zum Beispiel 100%ige Leidenschaft, die sich auch im aggressiven Anlaufverhalten zeigen sollte. Das ist ein Element als Beispiel, das die die Trainer sehr schnell integrieren konnten.
»In diesem Jahr sind die Neuzugänge überwiegend großartig dabei. Warum ist dies besser gelungen als in den letzten Jahren?
Ich habe da gemischte Gefühle, weil man schnell in einen sogenannten Outcome Bias gerät, also einen Wahrnehmungsfehler, bei dem man nur das Ergebnis bewertet. Ja, wir haben sehr gute Transfers gemacht, weil die Mischung aus sportlicher Qualität, menschlichen Fähigkeiten und Potenzial gut passt. Gleichzeitig war das in den vergangenen Transferperioden nicht grundsätzlich anders. Dort haben jedoch verschiedene Faktoren dazu geführt, dass einzelne Spieler ihre Qualitäten nicht konstant auf den Platz bringen konnten. Ein gutes Beispiel ist Ari Kurmehaj. Er hatte es speziell in der letzten Saison sehr schwer, und nicht wenige haben ihn vielleicht sogar als Abgang gesehen. Durch das Vertrauen des Vereins und der Trainer kann er sein Potenzial jetzt sehr gut ausschöpfen. Fußball wirkt oft einfach, ist in seinen Abläufen aber hochkomplex und nicht alles lässt sich immer sofort erklären.
»Was sind die Zielvorgaben des VfB Hallbergmoos für die zweite Hälfte der Saison? Haben sich die Ziele in Anbetracht der bisherigen Ergebnisse geändert?
Wir haben uns vor der Saison Gesamtziele und Zwischenziele gesetzt und in Bezug auf die Tabellensituation hat die Mannschaft ihr Ziel erreicht in Tuchfühlung zur Spitze zu sein. Wir wollen die gute Ausgangsposition nutzen, um so lange wie möglich an den vorderen Plätzen dran zu bleiben. Wenn wir weiter so gute Arbeit machen, ist das möglich. Dafür benötigen wir das Maximum an Einsatz, kein Prozent weniger.
Das Interview mit Anselm Küchle führte Heinz Geiger.









