Rückblick und Ausblick in die Zukunft. Bürgermeister Benjamin Henn vor dem Modell des urbanen Gebiets,dass im MABP die nächsten Jahre entstehen soll.
Ein Gespräch mit Bürgermeister Benjamin Henn über Bilanz, Sparkurs und Zukunftspläne
»Fast ein Jahr sind Sie nun im Amt. Wenn Sie zurückblicken: Was ist besonders gut gelaufen – und wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?
Benjamin Henn: Die Zeit rund um Weihnachten und den Jahreswechsel habe ich bewusst genutzt, um Kraft zu tanken – ganz ohne große Reise, sondern einem Kurztrip nach Südtirol, dann wieder hier in Hallbergmoos mit und bei der Familie, bei Spaziergängen, und kurzen Auszeiten. Das war mir wichtig, weil das erste Jahr sehr intensiv war und man nur mit Energie auch langfristig gut arbeiten kann. Im Rathaus haben wir als Team viel angeschoben. Wir modernisieren Verwaltungsprozesse, führen die E-Akte ein, arbeiten mit „Regi-Safe“ am Einheitsaktenplan und haben MS 365 ausgerollt. Das klingt technisch, ist aber entscheidend dafür, dass Verwaltung künftig schneller, transparenter und zukunftsfähig arbeitet. Die größte Herausforderung war von Beginn an der Haushalt. Wir haben sehr früh priorisiert und den Fokus klar auf Pflichtaufgaben gelegt: Kinderbetreuung, Schulen, Feuerwehr und Infrastruktur. Freiwillige Leistungen haben wir dabei nicht vergessen, aber ehrlich eingeordnet. Das erste Jahr war für mich ein Fundament – nicht perfekt, aber solide.
»Sie hatten angekündigt, sich im ersten Jahr bewusst „alles anzuschauen“. Haben Sie dieses Ziel erreicht?
Ich habe sehr viel Zeit investiert, um mir einen umfassenden Überblick zu verschaffen – über Abläufe, Strukturen und Menschen. Natürlich konnte ich am Anfang nicht alles wissen, und ja, es gab Entscheidungen, bei denen ich heute sagen würde: Das könnte ich anders angehen. Mir ist wichtig, das offen zu sagen. Fehler gehören dazu. Entscheidend ist, daraus zu lernen. Genau das hat mir geholfen, heute klarer zu priorisieren: Was ist wirklich wichtig, wo setze ich meine Zeit sinnvoll ein – und wo kann ich Verantwortung guten Gewissens abgeben.
»Sie führen eine große Verwaltung mit vielen Fachbereichen. Wie schwer war es, Verantwortung abzugeben und Vertrauen aufzubauen?
Was mich wirklich beeindruckt hat, ist die enorme Einsatzbereitschaft im Rathaus. Da arbeiten Menschen, die tagtäglich so viel leisten. Dieses Engagement hat mir den Einstieg enorm erleichtert. Gleichzeitig war ich im ersten Jahr viel „draußen“ unterwegs – bei Unternehmen, Verbänden, politischen Partnern. Das war wichtig, hat aber dazu geführt, dass ich weniger Zeit für die Mitarbeitenden hatte, als ich mir gewünscht hätte. Dieses Jahr möchte ich den Fokus stärker nach innen legen: mehr Austausch, bessere Abläufe, mehr gemeinsame Entwicklung. Denn nur als Team können wir Tempo, Qualität und Verlässlichkeit nach außen bringen.
»Welche Entscheidungen aus dem ersten Jahr waren aus Ihrer Sicht besonders prägend – und was merken die Bürger davon?
Zentral war die Neuaufstellung des Haushalts. Ich dachte anfangs, 2025 wäre das schwierigste Jahr – inzwischen gehe ich davon aus, dass 2026 noch herausfordernder wird. Wir mussten genau hinschauen, Schritt für Schritt priorisieren und Verantwortung übernehmen. Wichtig war auch, große Themen eng zu begleiten – etwa die Ortsmitte „Hallbergmoos Mitte“ und den Ausbau der B 301. Da geht es nicht um schnelle Schlagzeilen, sondern darum, dass Beschlüsse am Ende auch umgesetzt werden. Im Alltag merken Bürgerinnen und Bürger vor allem, dass wir trotz Sparkurs das hohe Niveau in der Kinderbetreuung halten konnten. Das ist Lebensqualität, gerade für junge Familien. Und ich hoffe, man spürt auch eine neue Aufbruchsstimmung im Rathaus.
»Was ist Ihnen aus dem vergangenen Jahr besonders positiv in Erinnerung geblieben?
Ganz klar das Ehrenamt. Ich habe unglaublich viele engagierte Menschen erlebt – in Sportvereinen, bei den Feuerwehren, in Kultur, Kirche und im sozialen Bereich. Das alles läuft neben Beruf und Familie, oft ganz selbstverständlich. Wer sagt, das Ehrenamt stirbt, war in Hallbergmoos offenbar lange nicht mehr unterwegs. Es verändert sich, es wird anspruchsvoller – aber es lebt. Und es ist das, was unsere Gemeinde im Innersten zusammenhält.
»Gab es auch Momente, die besonders herausfordernd waren?
Die finanzielle Ausgangslage war angespannter, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte. Manche Spielräume, die man sich politisch wünschen würde, gibt es schlicht nicht mehr. Das erfordert Ehrlichkeit – auch wenn Entscheidungen dadurch nicht immer populär sind.
»Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und den Bürgerinnen und Bürgern?
Ein gutes Beispiel ist der Brückenbau an der Kochstraße. Wir haben frühzeitig informiert, den direkten Austausch mit den Anwohnern gesucht und transparent kommuniziert. Nicht jede Einschränkung lässt sich vermeiden, aber Offenheit schafft Verständnis. Auch im Gemeinderat setze ich bewusst auf frühe Information und offene Diskussionen statt fertiger Lösungen. Das stärkt Vertrauen und führt zu tragfähigen Entscheidungen.
»Der Sparkurs wird enger. Was bedeutet das für freiwillige Leistungen wie Kultur, Vereine oder das Volksfest?
Wenn es richtig eng wird, geraten freiwillige Leistungen als erstes unter Druck. Für mich gibt es aber klare Eckpfeiler, die so lange wie möglich geschützt werden sollen: (Nach der Kinderbetreuung,) das Volksfest, der Tag der Vereine und die Grundförderung unserer Vereine. Gleichzeitig müssen wir kreativer werden – durch Kooperationen, neue Ideen und pragmatische Lösungen. Unsere Vereine sind sehr einfallsreich, darauf setze ich.
»Gewerbesteuer und Wirtschaft: Wie ist die Lage in Hallbergmoos?
Wir sehen aktuell weniger echte Abwanderung als vielmehr Investitionszurückhaltung – ausgelöst durch unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Dem begegnen wir mit aktiver Bestandsbetreuung, gezielter Flächenentwicklung – etwa an der Dornierstraße Süd oder mit Biotech-Schwerpunkt –, Planungssicherheit und zügigen Verfahren. Unser Ziel ist eine breitere wirtschaftliche Basis, damit wir weniger abhängig von einzelnen großen Steuerzahlern sind.
»Wie gut ist Hallbergmoos bei Kinderbetreuung und Schulen aufgestellt?
Mit rund 1.000 Betreuungsplätzen sind wir aktuell gut aufgestellt. Der Schwerpunkt liegt weniger auf Ausbau, sondern auf Qualität: ausreichend Fachpersonal, stabile Strukturen und verlässliche Finanzierung. Mein Anspruch ist klar: Kein Kind soll in Hallbergmoos an fehlenden Plätzen scheitern.
»Verkehr ist für viele ein Dauerthema. Wann dürfen die Bürger mit Entlastung rechnen? Ich verstehe den Frust sehr gut. Verkehr betrifft den Alltag unmittelbar – und Erfolge sieht man leider nicht von heute auf morgen. Bei der B 301 arbeiten wir am Ausbau wichtiger Knotenpunkte. Die Verbindungsstraße Hallbergmoos- Mitte ist ein Schlüsselprojekt. Verzögerungen ergeben sich aus planerischen und förderrechtlichen Gründen. Wichtig ist mir, hier ehrlich zu kommunizieren und keine leeren Versprechungen mit einer möglichen Fertigstellung zu machen.
»Zum Abschluss: Wie soll Hallbergmoos im Jahr 2032 aussehen?
Ich wünsche mir eine Gemeinde mit hoher Wohnqualität, gesundem Wachstum, starken Grün- und Freizeitflächen und einem lebendigen Miteinander für alle Generationen. Finanziell wollen wir wieder mehr Stabilität erreichen. Und politisch wünsche ich mir weiterhin eine offene, faire Kultur – mit klaren, auch kontroversen Debatten, aber immer sachlich und respektvoll.
Das Interview führte Heiko Schmidt.








