„Es war eine Spontanaktion, aber seit drei Jahren in der Reihe haben wir es immer geschafft einen Baum zu bekommen.“ Louis Hasenöhrl, Vorstand Burschenverein Goldach (Mitte).
Von der Spontanfahrt zum Husarenstück
Statt minutiös, großangelegter Geheimmission mit strategischen Raffinessen, die ihresgleichen suchen, können die Goldacher Burschen auch ganz lässig aus der Hüfte schießen – sogar, wenn es sich um den Klau eines echten Mordstrums wie einen Maibaum handelt: „Geplant war gar nichts“ grinst Vereinsvorstand Louis Hasenöhrl scheinbar unwissend und noch weniger unschuldig und erzählt vom Einsatz Surprise vor Ostern: „Wir sind nach Pliening, weil die mittags einen Baum bekommen haben und wollten uns das anschauen, wie der Baum reinkommt und wie der Stand der Dinge ist, wie er eingebaut ist und wie die Situation ist, um uns dann zu überlegen wie ein Plan ausschauen könnte, um dort den Baum zu stehlen.“
Vom Stüberl zur Spionage
Auf dem Rückweg fahren die Burschen nichtsahnend über Neuching nachhause und entdecken zufällig den Baum auf einem Hof. Schnell kundschaften die potenziellen Maibaumdiebe die Lage aus und sehen sich mit zwei kaum zu überwindenden Hindernissen konfrontiert: Hofhunde. „Die haben uns die ganze Zeit angebellt, sodass wir beschlossen, es derweil erstmal zu lassen. Durch das Gebelle hätte der Bauer irgendwann gewusst, dass was los ist.“ Doch aufgeschoben ist schließlich selten aufgehoben, das gilt insbesondere für die Goldacher Burschen – Gelegenheit macht Diebe. Zunächst aber feiern sie noch bis in die frühen Morgenstunden: „Endstation war das Stüberl in Pliening. Es ist ungefähr drei Uhr morgens geworden und wir sind mit Taxis nachhause gefahren.“
Wurst-Case-Szenario in Neuching
Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee, als zwei Auserkorene des Spähtrupps ihren Taxifahrer sagen, er müsse sie in Neuching absetzen. Wenn ein Prachtstangerl unbewacht auf dem Präsentierteller liegt, benötigen die Goldacher Burschen keine zweite Einladung. Vor Ort bewaffnen sich die beiden im Wurst- und Fleischautomaten des örtlichen Metzgers mit „Munition“ – Würschtl sollen die Hunde bestechen: „Am Hof waren sie aber gar nicht mehr da“, schmunzelt Hasenöhrl. Spätestens jetzt ist die Verlockung den Maibaum zu stibitzen, zumal er an einem landwirtschaftlichen Fahrzeug hängt. „Wir haben dann beim Rudi Rottmeier angerufen, weil der einen baugleichen Traktor hat, und haben ihn gefragt, ob der Schlüssel passt. Er kam dann mit dem Schlüssel, die haben aber leider nicht gepasst und konnten das Fahrzeug nicht wegbewegen. Das war aber nicht tragisch.“
100 Prozent ohne – Einer geht doch
Da die Herausforderung für das Unternehmen die Kapazitäten zweier Burschen ein wenig übersteigt, trommeln sie via Handy weitere Mitglieder zusammen. „Sie haben dann mich angerufen, sie würden es bei dem Baum versuchen wollen.“ Einziges Problem: die Nachläufer (spezielle Bauform eines Anhängers für Transport von extrem langen Gütern) und alle anderen Geräte waren in Goldach. Jetzt mussten wir alles nach Neuching transportieren, aber keiner hat mehr fahren dürfen, wegen der Stüberltour.“ Letztlich steuert ein nüchterner Josef Vogt den Sprinter mit benötigtem Material: „Sie haben mich aufgelesen und dann haben wir die Aktion gestartet.“
Stemmen, Schieben, Sprinter-Schleppen
Neun Burschen gelingt letztlich der wahre Kraftakt, sie stemmen den Baum von einem Nachläufer auf den eigenen. „Danach haben wir in händisch 200 Meter auf die Straße geschoben und mit dem Sprinter nach Goldach gezogen.“ Angesichts der kräftezehrenden Aktion schlummert es sich nochmal so schön – zumindest bis das Telefon nachdrücklich geklingelt, erinnert sich Hasenöhrl: „Da hieß es: „Könnte es sein, dass des unser Maibaum ist?“ Wir hätten ihn gerne wieder.“ In diesem Moment stellt sich etwas Kurioses heraus. Bei der heiß verhandelten Ware handelt es sich nicht um den schmerzhaft vermissten Baum aus Niederneuching, sondern aus Zamdorf. „Der Baum war dort nur zwischengelagert. Sie hatten ihn aus dem Wald rausgefahren und Angst, dass sie ihn nicht um eine Kurve bekommen.“ Für den Transport bedarf es einer Sondergenehmigung für einen eingetragenen Fahrer, dazu Polizei- und Feuerwehrschutz: „In der Genehmigung ist jede Kurve beschrieben, die dürfen keinen Umweg fahren, nichts. Und damit es keine Probleme gibt, haben sie den Baum dort zwischengelagert.“ Die Verhandlungen über die Rückgabebedingen mit einer Delegation aus Zamdorf verlaufen entspannt: „Wir sind uns schnell einig geworden, damit die wegen der zeitlich sehr begrenzten Sondergenehmigung keinen Ärger bekommen“, erzählt Hasenöhrl und äußert sich stolz über das Gelingen der Aktion: „Es war eine Spontanaktion, aber seit drei Jahren in der Reihe haben wir es immer geschafft einen Baum zu bekommen.“
Für Sie berichtete Manuela Praxl.








