Angeführt von der Fahnenabordnung zog der lange Festzug mit zahlreichen Feuerwehrkameradinnen und -kameraden sowie weiteren Teilnehmern zum neuen Feuerwehrhaus in Goldach
Große Feier mit Umzug
Weihwasser marsch! Wenn Pfarrer Thomas Gruber zum Dienst bittet, bleibt kein Auge, kein Hemdkragen und kein Dirndl trocken. Denn wer bei dem Gottesmann das klassische Aspergill erwartet, irrt – die Segnung des neuen Feuerwehrgebäudes bedarf härterer Geschütze: Eine handbetriebene Kübelspritze, randvoll betankt mit geweihtem Nass. Als Ministrant wurde kurzerhand Bürgermeister Benjamin Henn eingeteilt – evangelisch getauft, das reicht für den Dienst an der Pumpe. Dem Trupp gehören auch der evangelische Amtskollege Steffen Schubert und Kommandant Stephan Zobel an. Im sportlichen Laufschritt arbeitet sich die ökumenische Kameradschaft durch die zum Festareal umdekorierte Fahrzeughalle mit 700 Gästen und Besuchern, anschließend im wilden Zickzackkurs durch die endlosen Flure und Räume. Aus einer Ecke frohlockt ein jugendlicher Nachwuchsfeuerwehrler: „Ich bin gesegnet!“, bevor es auf dem großen Balkon Pfarrer Schubert in den Fingern juckt. Direkt aus luftiger Höhe besprenkelt er mit sichtbar großer Freude die Festgäste.
Großer Dank nach dem kulinarischen Auftakt
Wie allgemein bekannt, bedarf es nicht nur Nahrung für die Seele, sondern auch für den Leib, schließlich sollen knurrende Mägen nicht die Konzentration verschiedener Redner stören. So dürfen sich neben verschiedenen Amtsträgern und den versammelten Kameraden befreundeter Feuerwehren, sogar eigens aus dem Schweizer Goldach angereist, vor den obligatorischen Grußworten auf Schweinsbraten, Kraut- und Kartoffelsalat oder, für die Veggie-Freunde, auf Kasspatzn freuen. An Guadn! Zobel ist begeistert: „Die Metzgerei Lobermeier hat uns hier ein fantastisches Catering geliefert.“ So gestärkt, zeigt sich Zobel bewegt und blickt auf den Weg des Mammutprojekts zurück. Sein besonderer Dank gilt neben seinem Stellvertreter Michael Rothkopf dem ehemaligen Bürgermeister Sepp Niedermair, der während seiner Amtszeit das Grundstück erwarb, und dem ehemaligen Gemeinderat, der den Startschuss für das Projekt gab. „Es freut mich auch, von dem aktuellen Gemeinderat und Bürgermeister Benjamin Henn in dieser Art und Weise unterstützt worden zu sein“, betont Zobel und gibt auch zu: „Ja, es war nicht immer einfach und es gab manchmal Knirschen – aber immer in einer sehr menschlichen und konstruktiven und auf Augenhöhe basierenden Zusammenarbeit.“
Dank an die Angehörigen, die im Hintergrund werkeln
Der logistische Kraftakt des Umzugs schließlich sei vor allem durch den Gemeinschaftsgeist von 90 aktiven Helfern der Freiwilligen Feuerwehr Goldach in nur eineinhalb Tagen gelungen, lobt Zobel: „Und das in einer Harmonie, die ich von meinen eigenen Umzügen nicht kenne, da gab’s immer Stress.“ Vor allem hebt er die stille Unterstützung im Hintergrund hervor: „Ohne das Verständnis und die Hilfe unserer Angehörigen könnten wir diesen Dienst nicht leisten. So eine Veranstaltung ist nur mit deren tatkräftiger Hilfe zu stemmen, dafür sind wir Aktiven sehr dankbar.“ Insbesondere spricht Zobel sichtbar bewegt seine eigene Lebenspartnerin Martina Mühlich an: „Du hast mich ausgehalten. Vielen, vielen Dank. Das ist einen ehrlichen Applaus wert.“ Genauso nennt er an dieser Stelle die Ehefrau seines Stellvertreters Michael Rothkopf, Bettina, die leider kurzfristig erkrankt war: „Michi, die Blumen nimmst du mit und das Bussi gibst du ihr.“
Eine echte Lebensversicherung zum Spottpreis
Trotz Inflation und unvorhersehbarer Kostensteigerungen bleibt der Bau im vorgesehenen Budget von 10,8 Millionen Euro. „Es ist eine Verpflichtung aller an solchen Bauten Beteiligten, verantwortungsvoll zu sein“, erklärt Zobel und rechnet vor: „Das alte Feuerwehrhaus ist 48 Jahre alt. Wenn man hier eine Lebenszeit von 40 Jahren ansetzt bei 12.500 Einwohnern, sind das am Ende noch irgendwas bei 1,20 Euro für einen Bürger. Wenn man bedenkt, was eine Lebensversicherung kostet, ist das super gut angelegt. Wir werden sehr, sehr pflegend mit dem uns Überlassenen umgehen.“ Die Frage, warum das neue Gebäude so groß sein muss, stellt sich aus Zobels Sicht nicht. Die Gemeinde wächst stetig: „Vor 40 Jahren zählte man 6.000 Einwohner und 20 Einsätze, heute sind es mehr als doppelt so viele und über 300 Einsätze.“ Der neue Gebäudekomplex auf dem 10.000 m² großen Areal ist eine Antwort auf dieses Wachstum. Vorausschauend gebaut, lässt er zukünftig Optionen und Reserven für möglich notwendige Erweiterungen. Hinter den nüchternen Zahlen – 2.700 m² Nutzfläche, sieben Stellplätze, 3.400 m² Mauerwerk, 28.000 m Kabel – verbirgt sich ein Zuhause für die Aktiven. „Wir fühlen uns unglaublich wohl und sind hier angekommen“, so Kommandant Stephan Zobel, der in eineinhalb Jahren die perfekt gerüstete Wache übergeben will.
Jeder ist froh, wenn er selbst Hilfe braucht, dass diese schnellstmöglich und natürlich auch bestmöglich kommt.“
Bürgermeister Benjamin Henn
Zur Einweihung des neuen Feuerwehrhauses in Goldach kamen alle zusammen, die zum Gelingen des Bauprojekts beigetragen haben: ehemalige und amtierende Bürgermeister, Vertreter des Bauamts, Architekten und ausführende Firmen sowie die Feuerwehrführung aus Goldach und Hallbergmoos.
Unverzichtbarer Beitrag zur Bürger-Sicherheit
Vom Nieselwetter abgesehen, sei es ein „wirklich toller Tag für Goldach und die gesamte Gemeinde“, findet Rathauschef Benjamin Henn: „Es ist ein neues Feuerwehrhaus, das nicht nur funktional und zukunftsfähig ist, sondern vor allem zeigt, was für einen Stellenwert unsere Feuerwehren und unsere Gemeinde haben.“ Henn zeichnet noch einmal den „sportlichen Weg“ zum neuen Feuerwehrhaus nach: „Nach dem Spatenstich Ende November 2024 und dem eigentlichen Baustart im März 2025 wurde das Großprojekt im August 2026 erfolgreich fertiggestellt.“ Trotz der angespannten kommunalen Haushaltslage stelle eine Investition in dieser Größenordnung keinen Luxus dar, sondern sei vielmehr ein unverzichtbarer Beitrag zur Sicherheit der Bürger. „Jeder ist froh, wenn er selbst Hilfe braucht, dass diese schnellstmöglich und natürlich auch bestmöglich kommt.“
Partnerschaft über Grenzen hinweg
Die kommenden finanziellen, organisatorischen und menschlichen Herausforderungen ließen sich dabei nur Hand in Hand im engen Schulterschluss zwischen den Feuerwehren, der Gemeinde und allen Verantwortlichen meistern. Im Fokus stehen nicht politische Erfolge, sondern das über Jahrzehnte gewachsene Vertrauen und der Zusammenhalt der Kameraden. Was dies bedeute, zeige sich unter anderem durch die „herzlichen und authentischen Worte“ auf der Partnerschaftsfeier einen Abend zuvor. „Wie wir gestern gelernt haben, ist die Partnerschaft nur durch einen Irrtum entstanden. Eine Geburtstagskarte, die von München nach Goldach gesandt werden sollte, kam irgendwann in Goldach in der Schweiz an.“ Im Gepäck hat Henn noch ein kreatives Geschenk – eine abstrakte Malerei mit viel Raum für Interpretationen: „Es ist ein Bild, das von einem Kameraden von der Feuerwehr live auf der Bühne gestern bei der Premiere des Hallberger Brettl gemalt wurde. Ich hoffe, ihr findet einen passenden Platz. Wir haben schon interpretiert, was es sein könnte.“
Ein Gewinn für den Katastrophenschutz und das Ehrenamt
Auch der stellvertretende Landrat Franz Heilmeier sieht in dem Bau mit seiner modernen Ausstattung einen Gewinn für alle Bürger, lobt den unschätzbaren Dienst der Aktiven und betont die Bedeutung für kreisweite Katastrophenschutzstrukturen. Der Neubau sei ein klares Bekenntnis zur Bürgersicherheit und zur Stärkung des Ehrenamtes, so Kreisbrandrat Manfred Danner und er hofft: „Ein zweiter Standort für Hallbergmoos ist ja in der Pipeline.“ Franz Schonlau, Geschäftsführer der BayernGrund GmbH München, hebt die hervorragende Zusammenarbeit bei dem Gemeinschaftsprojekt hervor. Als Geschenk gibt es für den jüngsten Nachwuchs ein Feuerwehr-Bobby-Car. Insbesondere richtet Schonlau den Blick aufs Stüberl, den wichtigsten Ort, um Kameradschaft zu leben und belastende Einsätze zu verarbeiten. „Wir helfen ein bisschen bei der Ausrüstung und haben noch ein paar Sätze Schafkopfkarten dabei.“ Schließlich spricht Architektin Kathrin Luxenhofer von der „besonderen Ehre“, ein zukunftsweisendes Haus zu planen, das „von Feuerwehrlern für Feuerwehrler geschaffen wurde“, mit kurzen Alarmwegen und funktionalen Werkstätten, einem gemütlichen Stüberl und Sportangeboten für die Jugend.
Schnapsatmung statt Atemschutz
Ein Fun Fact liefert Vorstand Robert Lackermeier. Der bittet seinen Vorgänger im Amt, Josef „Sepp“ Grichtmair auf improvisierte Bühne, damit er sich hochleben lassen skann. Grichtmair feiert am selben Tag seinen Geburtstag. Last but not least sorgt Adrian Eberle, Präsident der Feuerschutzkommission der Gemeinde Goldach in der Schweiz, mit einem Präsent der besonderen Art für künftige Partys für begeisterte Lacher: einen umgebauten Pressluftatmer für den besonderen Alkoholgenuss.
Verein Freiwillige Feuerwehr Goldach 1885
OT Goldach
Hauptstraße 101
85399 Hallbergmoos
E-Mail: kontakt@feuerwehr-goldach.de
Vertreten durch:
Robert Lackermeier (Vorsitzender)
Für Sie berichtete Manuela Praxl.





























































































