Die Auswirkungen der NS-Diktatur auf das Leben in Hallbergmoos und Goldach

Kategorie: Aktuelles

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Stille Zeitzeugen im Rathaus

Die Zeitspanne seit Ende des Zweiten Weltkriegs scheint ewig, doch sie ist gerade nur so lange her, wie in Deutschland ein durchschnittliches Menschenleben dauert: 80 Jahre. Die letzten Zeitzeugen der Terrorherrschaft sterben langsam aus, gleichzeitig nehmen Rassismus und Antisemitismus im Rahmen rechtsextremer Ideologien zu. Umso wichtiger ist es, an diese einschneidende Epoche, die das dunkelste Kapitel in der Geschichte Deutschlands markiert, zu erinnern. „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“ Das historische Zitat des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer (1920–2016) stellt unmissverständlich die Bedeutung fest, Vergangenheit wachzuhalten, um aus ihr zu lernen und zukünftiges Handeln zu reflektieren.

Totaler Zusammenbruch und Zerstörung
In Hallbergmoos hat Gemeindearchivarin Martina Paringer eine kleine Ausstellung mit Originalquellen aus den Beständen des Gemeindearchivs zusammengestellt. Sie zeigt anhand von unterschiedlichen Dokumenten schlaglichtartig die Auswirkungen der politischen Situation auf die Einwohner von Hallbergmoos und Goldach, vor und während des Zweiten Weltkriegs und in den ersten Jahren nach der Kapitulation. „Die Militärregierung hat mich am 28. Mai 1945 zum Ministerpräsidenten in Berlin ernannt. Als die Männer ihr neues Amt in der Regierung antraten, war in manchen Landesteilen der Donner von Kanonen und Dröhnen angriffsbereiter Flugzeuge kaum verklungen …“, zitiert Paringer zur Ausstellungseröffnung Fritz Schäffer, Bayerns ersten Ministerpräsidenten nach dem Krieg. Schäffer beschreibt die dramatischen Folgen des Krieges, die Zerstörung und chaotische Lage Deutschlands, Millionen von Flüchtlingen und der fast aussichtslosen Lage, die Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen. „Der Zusammenbruch des Dritten Reiches hinterließ ein Trümmerfeld, wie es Deutschland noch nie gesehen hatte. Niemand wusste, wie es weitergehen sollte“, verdeutlicht Paringer die Situation, bevor sie die Anfänge des Nationalsozialismus und die Kriegsjahre beleuchtet.

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Steter Tropfen höhlt den Stein
Die Schauvitrinen zeigen Exponate, beginnend mit den 1920er- Jahren und enden 1948. Unter anderem sind neben Ausweisen, Sterbebildchen oder einer Eintragungsliste für den „Entwurf eines Gesetzes gegen die Versklavung des deutschen Volkes“ zu sehen. Dazu Informationsblätter für das richtige Anlegen eines „Gasjäckchens“ bei Kleinkindern oder Tipps, um Energie zu sparen, aber auch die an Kinder gerichtete Aufforderung zu denunzieren: „Wer fängt Kohlenklau, den Sünder? Lest dies, lernt und helft uns Kinder!“ „Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, betont Paringer, doch sie geben einen guten Überblick über die Auswirkungen der politischen Maßnahmen und der Kriegsrealität auf das gesellschaftliche Miteinander in der Dorfgemeinschaft und das Alltagsleben des Einzelnen.

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Im Blick behalten
Beispielsweise spricht Paringer das Ermächtigungsgesetz (Erlassung von Gesetzen ohne Beteiligung des Parlaments) oder die Rolle der Hitlerjugend an. „Bekannt sind viele Gesetze, aber wie sie sich auf das Leben der Jugendlichen oder Männer, die in den Krieg ziehen mussten, oder generell auf den Alltag ausgewirkt haben, eher weniger“, sagt Paringer: „Wie Nationalsozialismus überhaupt funktioniert hat, wie sehr es in den wenigen Jahren in das Leben der Menschen eingegriffen hat, dass es am Schluss so schlimm kam und Sätze entstanden wie ‚Nie wieder!‘, da muss man genau hinschauen. Solche Dinge können schneller passieren, als man glaubt.“

Der Schein trügt
Immer wieder höre (nicht nur) Paringer Sätze wie: „Es gab auch gute Dinge, wie die Gemeinschaft oder Freundschaft in der Hitlerjugend.“ Doch es sei wichtig, hinter die Fassaden zu schauen, um die Manipulation und die Vorbereitung auf Krieg und Gewalt zu entlarven, stellt Paringer klar: „Die Verantwortlichen formten die Kinder zu Soldaten, die auf Hitler schworen, und bereiteten sie auf den Volkssturm vor, als der Krieg längst verloren war.“ Die Ausstellung bietet einen Beitrag dazu, wachsam zu bleiben, und ist noch das ganze Jahr zu sehen. Zusätzliche Führungen sind für den 19. September, 14. November und 16. Dezember 2025 geplant. Anmeldungen über die VHS Neufahrn-Hallbergmoos. Infos s. S. 15.

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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