Ein Hallberger Original wird 100 Jahre alt

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Der Tüftler Martin Bäuerle mit seiner genialen Eigenkonstruktion Ski-Langlauf-Bob für den Winter und Laufhilfegerät im Sommer

Martin Bäuerle – Schneider und Graf

Einen außergewöhnlichen Geburtstag durfte am 3. März ein Hallbergmooser Bürger feiern: Martin Bäuerle, wohlbekannt als „der Schneider“ und als „Graf Hallberg“, wurde 100 Jahre alt. „Über das Leben unseres Vaters könnte man ein Buch schreiben“, sagt Anni Schäfer, Tochter des Jubilars, „er kann auf bewegte Zeiten zurückblicken.“

Als mittlerer von drei Buben kam er am 3. März 1921 in Hallbergmoos zur Welt. Der Einjährige erkrankte an Kinderlähmung und erst nach einer Operation 14 Jahre später konnte er zumindest ohne Stock gehen. Dass die Mutter als Störnäherin ihr Geld verdiente, hatte sicherlich Einfluss auf seine Berufswahl. Zwar musste er als Schulbub „Kinder aufschaun“ und Kleidung auftrennen „beim Schneider Gruber“, akkurat arbeiten lag ihm jedoch schon immer. Die Alltagsstrümpfe musste er stopfen, das konnte er so gut, dass er das auch bei den Sonntagsstrümpfen durfte. 1939 beendete er die Schneiderlehre in Freising, die Meisterschule schloss er 1947 sogar als Innungsbester ab.
Auch beim Arbeitsdienst in Polen waren seine Fertigkeiten als Schneider gefragt, beim Luftwaffenbekleidungsamt war er vor allem für das Nähen der Knopflöcher zuständig. Als der Krieg zu Ende war, machte er sich zu Fuß auf den 400 km weiten Heimweg, nach zweieinhalb Wochen war er dann wieder in Hallbergmoos.

Mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Elisabeth gründete er 1949 eine Familie, vier Töchter und ein Sohn wurden geboren, fünf Enkel und drei Urenkel kamen dazu.

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Als selbständiger Schneider fertigte er jahrelang Herren- und Damenkonfektion. Doch in den 60er Jahren war die Maßschneiderei nicht mehr so gefragt. Also unterrichtete er in den Nebenzimmern von Gaststätten erfolgreich Hausfrauen im Nähen, „eine hat sogar ein Kostüm genäht“, erinnert sich Tochter Anni. Dass er danach als Musterentwickler bei der Isar-Wellpappe eine Anstellung fand, hat dem leidenschaftlichen Tüftler sogar noch besser gefallen als die Arbeit mit Nadel und Faden. Und auch als Rentner werkelte er gern, baute Wagerl für die Enkel und für sich selber eine geniale Kombination aus Langlaufschi und Bob für den Winter und Laufgerät für den Sommer, die ihm die Fortbewegung erleichterte.

Seinen ersten Gesellenlohn investierte er in ein eigenes Fahrrad, viele Fahrradtouren mit seinen Brüdern und Freunden folgten, Fotoapparat und Zelt waren immer dabei. 1947 kaufte er sich ein Faltboot, künftig unentbehrlich bei den Campingurlauben mit der Familie auf der Insel Buchau im Staffelsee. Später ging es dann regelmäßig in die Berge. Seine Abschiedstour führte ihn nach Oberlaibnig in Osttirol, ebenfalls jahrelang eines der Urlaubsziele. Eine ganz besondere Reise schenkten ihm seine Kinder zum 70. Geburtstag, mit seinem Bruder Alfred fuhr er im Bus bis zum Nordkap.

Berühmt machte ihn sein markanter Bart, sowohl in Tirol als auch in Hallbergmoos. In Südtirol wurde sein Bild für die Touristenwerbung eingesetzt und eines Tages konnte er sich sogar auf einem Werbeplakat für Osttirol bewundern. Dass Martin Bäuerle in Hallbergmoos eine wohlbekannte Persönlichkeit wurde, verdankt er vor allem der Ernennung zum „Graf Hallberg“, den er anlässlich der Feiern zum 150. bzw. 175. Jahrestag der Ortsgründung verkörpern durfte.

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Martin Bäuerle – auch mit 100 noch Mitglied bei der SG Edelweiß

Corona hat leider die regelmäßigen Stammtischbesuche beim „Kramer“ beendet, doch bis heute ist er Mitglied in zahlreichen Hallbergmooser Vereinen, Gartenbauverein und Seniorenclub zählen ihn zu ihren Gründungsmitgliedern.
Der Jubilar lebt nach wie vor selbständig in seiner Wohnung. Auch wenn die körperliche Kraft nachlässt und die Töchter und der Sohn sich um ihn kümmern, sein Mittagessen macht er sich selber warm, geistig ist er rege und für alles aufgeschlossen. Dass er 100 Jahre alt geworden ist, führt er vor allem auf die Tatsache zurück, „dass ich nie zum Doktor gegangen bin“, wie Tochter Anni Schäfer schmunzelnd den Vater zitiert.
Viele Hallbergmooser kennen und mögen Martin Bäuerle als kontaktfreudigen Mitbürger, der gern alte Hallberger Geschichten erzählt. Beliebt ist er aber vor allem deshalb, weil er sich für die Menschen interessiert und sich, so Tochter Anni, „immer jeden Namen gemerkt hat“.

Der 100. Geburtstag von Martin Bäuerle verlief ruhig, aufgrund der Corona-Beschränkungen waren keine Besuche erlaubt. Viele Gratulanten erfreuten ihn jedoch mit einem telefonischen Glückwunsch.
Auch der Mooskurier gratuliert herzlich zu diesem besonderen Geburtstag und wünscht dem Jubilar alles Gute!

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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