Häftlingsmärsche im Frühjahr/ Sommer 1945 im Landkreis Freising

Kategorie: Aktuelles

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Der Gedenkstein mit Informationstafel am Ortsrand und Buch „Die Opfer der Todesmärsche“, herausgegeben von Karl-Heinz Zenker, erinnern an die Todesmärsche im Frühjahr/Sommer 1945.

Heimatforscher Karl-Heinz Zenker erinnert in einem Buch an die Opfer

In seinem kürzlich erschienen Buch „Die Opfer der Todesmärsche“ berichtet Heimatforscher Karl-Heinz Zenker über die Todesmärsche aus den Konzentrationslagern Buchenwald, Flossenbürg und Hersbruck in Richtung KZ Dachau, bei denen die Häftlinge auch durch den Landkreis Freising getrieben wurden. Viele starben an Entkräftung, verhungerten, wurden erschossen oder erschlagen. Allein im Landkreis Freising wurden insgesamt 81 Häftlinge während der Märsche getötet, 53 verstarben an den unmittelbaren Folgen. Da von den während der Märsche ums Leben gekommenen Häftlingen keiner mit Namen in einem Sterbe- oder Matrikelbuch eingetragen war, sondern nur die danach verstorbenen Opfer, kann man zudem auf eine erhebliche Dunkelziffer schließen.
Die auf den Todesmärschen verstorbenen Häftlinge ließ man liegen oder verscharrte sie vor Ort und später auf den Dorffriedhöfen, ehe sie in die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg umgebettet wurden. Nachweislich fanden dort 63 Umbettungen aus dem Landkreis Freising statt.
In seinem Buch befasst sich Karl-Heinz Zenker nicht nur mit dem geschichtlichen Hintergrund der Todesmärsche. Er beschreibt die Routen und vor allem die Schreckensbilanz im Landkreis Freising. Nach akribischen Recherchen und vielen Gesprächen fanden nicht nur Zahlen und Daten Eingang in das Buch, sondern auch Einzelschicksale und Berichte von Zeitzeugen. Damals noch Kinder, erlebten sie die Ereignisse dennoch bewusst mit. So erinnert sich z.B. Erwin Gebhard an den Häftlingsmarsch aus Neufahrn, der in der Nähe seines väterlichen Anwesens in der Grünecker Straße Halt machte. Ein Häftling sei in sein Elternhaus gekommen, um etwas aufzuwärmen. Als ein SS-Mann eingriff, ging der Vater von Erwin Gebhard dazwischen. Josef Selmayr aus Erching weiß noch, dass sich der holländische Häftling Bachhuysen in das Haus seiner Eltern gerettet habe. Judith Selmayr habe ihn etwa sechs Wochen gepflegt, er starb jedoch und wurde in seiner Heimat Holland begraben.

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In Hallbergmoos verstarb am 8. Mai 1945 Albert Labro, ehemaliger Bürgermeister der französischen Stadt Longwy, der „die Strapazen des KZ-Transports nicht überstand“ und „am 8. Mai 1945 in einer Scheune verstorben war“, wie es im Sterbebuch der Gemeinde und im Matrikelbuch der Pfarrei heißt.
„Dieses Buch soll dazu anregen, das Geschehene darzustellen und eine Erinnerungskultur ins Leben zu rufen“, schreibt Karl-Heinz Zenker. Er folgt damit dem Beispiel aus dem Würmtal, wo bereits zahlreiche Denkmäler in den einzelnen Orten vorhanden sind, durch die die Todesmärsche führten.
Auch im Landkreis Freising finden sich inzwischen Mahnmale, die an die auf den Märschen verstorbenen Häftlinge erinnern. So gibt es z.B. in Tüntenhausen einen Grabstein, auf dem sich die (später herausgefundenen) Namen der auf dem Todesmarsch ­verstorbenen Opfer befinden.
In Hallbergmoos setzte sich der Heimat- und Traditionsverein für einen Gedenkstein ein, der 2016 in Eigeninitiative und mit Hilfe von großzügigen Spenden erstellt werden konnte.

„Die Opfer der Todesmärsche im Landkreis Freising“, 116 Seiten, Preis 8 Euro, erhältlich bei Karl-Heinz Zenker, Tel.: 0811-3690

 

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Für Sie berichtete Maria Schultz.
Foto: privat

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