Barrierefreiheit für denkmalgeschützte Bauten

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V.l.n.r. vor dem integrierten historischen Bau des Holiday Inn:
Sabina Brosch (Fraktionsvorsitz, Gemeinde- und Kreisrätin Bündnis 90/Die Grünen), Johannes Becher (Abgeordneter Bayerischer Landtag Bündnis 90/Grüne), Sabine Weigand (denkmalschutzpolitische Sprecherin, Mitglied des Landes Bündnis 90/Grüne), dahinter: Echings Dritter Bürgermeister und Bundestagskandidat für Bündnis 90/Die Grünen Leon Eckert, Ortshistoriker Karl-Heinz Zenker und Robert Wäger, Gemeinderat und Dritter Landrat Bündnis 90/Die Grünen

Ortshistoriker Karl-Heinz Zenker nimmt denkmalschutzpolitische Sprecherin Sabine Weigand auf eine Tour mit Hindernissen

Es dauert, bis die denkmalschutzpolitische Sprecherin und Landtagsabgeordnete (Bündnis 90/Die Grünen), Sabine Weigand, ihren Weg nach Hallbergmoos findet: „Ihr habt aber auch einen Mordsverkehr hier, Autobahn ist nichts, über Land auch nichts, da bleibt auch noch etwas zu tun“, entschuldigt die 60-Jährige charmant lächelnd mit fränkischen „rollendem R“ und typisch weichen Konsonanten, ihre 20-minütige Verspätung bei Heimatforscher Karl-Heinz Zenker. Selbst Historikerin, habe sich die Autorin geschichtlicher Romane das Thema Denkmalschutz bewusst „zum Beackern ausgesucht“: „Ich mache jedes Jahr eine Denkmaltour, die mich durch ganz Bayern in alle Regierungsbezirke führt. Auf Vorschlag von Johannes Becher bin ich nach Hallbergmoos gekommen“, erklärt Sabine Weigand. „Denkmalpolitik und Politik sollte man nicht nur vom Schreibtisch betreiben, sondern muss dazu unter die Leute gehen, sich vor Ort umschauen, hören, wo es „Best Practise“-Beispiele gibt und vor allem, wo der Schuh drückt.“

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Denkmäler wider die Würde des Menschen

Das Schuhwerk belastet Ortshistoriker Zenker, der die Denkmaltour von St. Theresia und Leichenschauhaus, über das Gasthaus Otto von Wittelsbach zum Alten Wirt (Holiday Inn) bis zum Schloss Birkeneck leitet, tatsächlich beträchtlich. Nach einem Schlaganfall vor neun Monaten sei er nicht zu faul, sondern benötige seinen „Porsche Cabrio“, einen Rollator, erläutert der ehemalige Berufsoffizier der Luftwaffe: „Auch meine Frau, die vor rund 15 Jahren an MS erkrankt ist, sitzt inzwischen mit Pflegegrad 3 im Rollstuhl. Ich will thematisieren und schildern, wie sehr man um die Barrierefreiheit kämpfen muss.“ So fragt er nach einem Besuch in Nymphenburg beim Bayerischen Staatsministerium für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat, das für die bayerischen Schlösser und Seen verantwortlich ist, an, ob es möglich sei, eine Rampe über zwei Treppenstufen einzurichten: „Eine Oberregierungsrätin schrieb, das sei nicht denkmalverträglich. Der Artikel 1 des Grundgesetzes besagt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Ich wüsste nicht, dass es für Denkmäler, so wichtig sie sein mögen, eine Würde gibt. Der Mensch steht im Vordergrund“, stellt Zenker klar. In Dresden an der Frauenkirche gebe es eine gute Aufzugslösung: „Für St. Theresia habe ich eine ähnliche Lösung vorgeschlagen. Ich verstehe einfach nicht, was daran schwer sein soll, auch im Hinblick auf das zunehmende Alter in der Gesellschaft.“

„Der Artikel 1 des Grundgesetzes besagt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Ich wüsste nicht, dass es für Denkmäler, so wichtig sie sein mögen, eine Würde gibt. Der Mensch steht im Vordergrund.“

Karl-Heinz Zenker, Ortshistoriker

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Kampf um die Barrierefreiheit

Bereits 2018, als Zenker noch selbst im Gemeinderat sitzt, will er den barrierefreien Zugang durch eine Rampe, zumal die Gemeinde keine arme Kirchenmaus sei. „Das Denkmalamt lehnte ab, weil eine Rampe mit drei Prozent Steigung auf rund 20 Meter gekommen wäre. Ein Hublift könnte die Lösung sein“, erläutert Zenker. Fraglich bleibe, ob es Zuschüsse gebe, wenn die Tür nur zum Gottesdienst geöffnet sei. Außerdem stehe der Kostenfaktor von 50.000 Euro im Raum, aus Sicht Zenkers nicht ganz nachvollziehbar: „Zuhause habe ich eine einmalige komplizierte Anfertigung für 13.000 Euro. Meine Recherchen ergaben für die Kirche 10 bis 20.000 Euro an. Aber ich bin froh, dass das Denkmalschutzamt die Aufzugslösung wenigstens ins Auge zu fasst.“ Sabine Weigand versteht das Problem: „Dass da nichts passiert, kann man sich nicht bieten lassen, weil es angesichts unserer demografischen Entwicklung einen Wert hat, den es zukünftig braucht. Wenn ich will, dass noch irgendwer in die Kirche geht, muss ich dafür sorgen.“ Allerdings befürchtet die Landtagsabgeordnete der Kampf um die Zuschüsse aus Denkmalmitteln, führe nicht zum Erfolg „Das ist keine Sanierungsgeschichte, da müssen Kommune und Bezirk zusammenlegen“, meint Sabine Weigand und gibt den Tipp. „Wenn da allerdings nichts zusammengeht, wäre das für mich der klassische Fall einer Petition.“

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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