Eine Liebesgeschichte in Kriegszeiten

Kategorie: Veranstaltungen

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Spannend und berührend: Halldis Engelhardt liest aus ihrem Buch „Sieh dich nicht um!“

Halldis Engelhardt liest aus ihrem Buch „Sieh dich nicht um!“

Der Titel klingt geheimnisvoll. Es geht in dem Buch von Halldis Engelhardt tatsächlich um viele Geheimnisse, die mit der berührenden Liebesgeschichte ihrer Eltern zusammenhängen und aus dem die Münchner Autorin am 20. Oktober in der Hallbergmooser Gemeindebibliothek vorlas.

Ihre Mutter Jorna lernte während der deutschen Besetzung Norwegens den Soldaten Heinz kennen und lieben. Das klingt romantisch, ist aber gefährlich für die junge Frau, denn Beziehungen zwischen Einheimischen und Besetzern waren nicht erlaubt.
Fragen nach der Vergangenheit hatte die Mutter zeit ihres Lebens nur ausweichend beantwortet, Dokumente waren keine zu finden, aber Halldis Engelhardt, pensionierte Deutschlehrerin, wollte mehr über diese Geschichte wissen, die in der Familie verschwiegen wurde. Nach dem Tod der Mutter fing sie an zu recherchieren. Sie suchte den Dialog mit den norwegischen Verwandten, im Pass der Mutter gaben Stempel und Visa Auskunft über deren Reisen, im Internet fand sie eine Passagierliste mit dem Namen der Mutter, die ihren Freund verloren glaubte und mit 23 Jahren auf einem Dampfer nach Amerika auswanderte.

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Nach und nach öffnete sich ein Fenster in die Vergangenheit. Der „Flickenteppich“ an Informationen fügte sich zu einem Bild zusammen, das allerdings zahlreiche Lücken aufwies. Der Wunsch entstand, dies alles aufzuschreiben, „aber“, sagt die Autorin, „die Handlung musste ich mir teilweise ausdenken.“ Die Vertrautheit mit der Mutter und deren norwegischer Heimat machten es einfacher, sich vorzustellen: „So könnte es gewesen sein.“

Halldis Engelhardt beschreibt detailliert, wie sich die norwegische Bevölkerung während der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht verhielt und vor allem, was mit den Frauen geschah, die sich auf eine Liebesbeziehung mit einem „feindlichen“ Soldaten eingelassen hatten. Konsequenzen waren meist Verlust des Arbeitsplatzes, systematische Diskriminierung, unter der vor allem die Kinder aus diesen Verbindungen zu leiden hatten, bis hin zum Verlust der norwegischen Staatsangehörigkeit.

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Zwischen den vorgelesenen Abschnitten schlug die Autorin immer wieder einen Bogen und erklärte Zusammenhänge und Hintergründe, so dass man nie das Gefühl hatte, den Faden zu verlieren, was das Publikum konzentriert und mit gespannter Aufmerksamkeit honorierte. Der Besucherkreis war zwar überschaubar, doch dadurch herrschte fast ein wenig „Wohnzimmeratmosphäre“ und ein lebendiger und sehr persönlicher Dialog entstand zwischen Autorin und Gästen.

Die Liebesgeschichte der Eltern hatte übrigens, trotz vieler Hürden und Hindernisse, ein Happyend. Doch wie das zustande kam, verriet Halldis Engelhard an diesem Abend nicht. Sie verwies stattdessen auf ihr Buch, das man praktischerweise gleich anschließend erwerben konnte.

Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von zarter Flötenmusik, gespielt von Sophie Holzmann.

Halldis Engelhardt
„Sieh dich nicht um!“
DUMONT Verlag
ISBN 978-3-8321-6496-6
EUR 12,00

erhältlich im Buchhandel

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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