150 Mitwirkende bringen in der Traumkulisse des Circus Feraro die „Freiherr von Hallberg Saga“ auf die Bühne.
Farbenfrohes Kaleidoskop erzählt Geschichte
Udei e.V.: Facettenreiches Projekt begeistert insgesamt über 1.000 Zuschauer
Hier sehen wir Freiherr von Hallberg“ – kündigt Thomas Goerge mit lauter Stimme an und zeigt dabei mit großer Gestik auf eine lebensgroße Pappdarstellung des Freiherrn Theodor von Hallberg-Broich. Der Regisseur und Bühnenbildner steht mit einem weißen Zylinder und rotem Frack, dessen paillettenbesetztes Revers funkelt, inmitten der Manege des Circus Feraro auf dem Volksfestplatz. Wie ein Zirkusdirektor moderiert und erzählt der 52-Jährige die abenteuerliche Lebensgeschichte des illustren Visionärs. Zwischendurch kündigt Freisings Kulturpreisträger die Auftritte seiner Stars der interdisziplinären, inklusiven und partizipativen Theaterbiografie an: 69 Kinder der Grundschule Hallbergmoos.
Spannender Stoff für Generationen
Goerge begibt sich mit den Erstklässlern auf eine „theatralzirzensische Zeitreise“, um die Frage „Wo leben wir?“ zu klären, denn die meisten wissen kaum etwas über das Leben des Gemeindegründers. Der Adelige hatte vor genau 200 Jahren, 1826, das Schloss Birkeneck gekauft und nur kurz darauf den Ort gegründet. „Heute leben hier 12 000 Einwohner aus 100 Nationen, damit müssen wir uns auseinandersetzen“, meint Goerge. Es gehe nicht darum, woher der Einzelne komme, sondern darum, wie der Lebensraum im Hier und Jetzt aussehe. „Wir müssen diesen gemeinsam gestalten, egal wo wir herkommen“, verdeutlicht Goerge. Für ihn stellt der Freiherr einen vollkommenen Fantasten dar. „Das hat mich so fasziniert, dass ich seine Geschichte erzählen wollte. Er ist zu einer Zeit weit gereist und 93 Jahre alt geworden, als beides als absolute Ausnahme galt. Über den könntest du eine mehrteilige Netflix-Abenteuer- Serie drehen und es wäre nicht langweilig.“
Ungezähmte Spielfreude schlägt künstliche Perfektion
Bereits als Jugendlicher heuert von Hallberg-Broich als Matrose an. Seine Reisen führen ihn bis nach Skandinavien im Norden, in den europäischen Süden nach Griechenland, er lernt sogar Syrien, Persien und Indien kennen: „Und dann kam er hierher, in das Sumpfmoor, weit und breit kein Haus. Er hatte die Idee, die Sümpfe trockenzulegen, damit sich sozial schwache und arme Menschen hier ansiedeln konnten.“ Während Goerge den Lebensweg nachzeichnet, tragen auffällig gekleidete Kinder in Gruppen verschiedene Schautafeln in die Manege. Darauf sind beispielsweise Tiere aus den Ländern zu sehen, die der Freiherr erkundete oder die damaligen gängigen Verkehrsmittel wie Pferd, Esel, Postkutsche oder ganz „basic“ die Füße. Immer wieder melden sich dabei die Kinder zu Wort. Ihr Spiel besticht durch Authentizität, nicht durch Techniken raffinierter Schauspielkunst wie Lee Strasbergs berühmtes „Method Acting“ oder die Meisner-Technik mit Fokus auf den Spielpartner. Es ist pur und ungekünstelt. „Wir hatten auch echte Granaten dabei, da schlummern Talente. Ich möchte am liebsten mit allen weiterarbeiten, sie alle haben sich reingehauen. Als Regisseur eines solchen Projekts kann man sich nicht mehr wünschen.“
Herzklopfen und Nervenkitzel hinter den Kulissen
Am Mammutprojekt sind außerdem der Schulchor (Leitung Lillemor Schlüter), die Moosspatzen (Leitung: Aurelia Sailer), das Kammerorchester Hallbergmoos- Neufahrn (Leitung Vladimir Genin), das Jugendwerk Birkeneck, Uwe Gössel (Dramaturgie), Mark Polscher (Saxophon), Anja von Wins (Malerei) und Akrobaten des Circus Feraro beteiligt. „Dazu kommen die Eltern, die uns bei jeder Probe unterstützt haben und ganz besonders auch Rudolph Weichs, der Schulleiter der Grundschule. Er war sofort Feuer und Flamme, wir konnten sogar in der Aula proben. Insgesamt waren es rund 150 beteiligte Menschen“, zählt Thomas Goerge auf. Auch Petra Niedermair, die ehemalige langjährige Leiterin der Bibliothek, übernimmt eine Rolle und gesteht wenige Minuten vor ihrer Premiere: „Unglaublich, wie aufgeregt ich bin. Ich hoffe, dass ich nichts vergesse.“
Kreativer Gesellschaftsklebstoff schreit nach Fortsetzung
Das Projekt, so Goerge, stärke den Zusammenhalt innerhalb einer Gemeinschaft. Er sei von der Wichtigkeit derartiger Projekte überzeugt. „Obendrein lernen Kinder Geschichte in einem anderen Format als in der Schule kennen.“ In diesem Zusammenhang weise er gerne auf die soziale Plastik von Joseph Beuys hin. „Es geht darum, dass man zusammen etwas schaffen kann. Hallberg hat das gemacht, einen Ort für sozial Schwache und Ausgestoßene geschaffen.“ Rund 1000 Menschen lernen während der Vorstellung das aufregende Leben des Freiherrn kennen. „Es gab direkt einige Anfragen, wie es weitergehe. Ich will hier noch ungewiss bleiben, glaube aber schon daran. Für den Herbst steht definitiv etwas an.“
Für Sie berichtete Manuela Praxl.

















































































