Zu Besuch im Wasserzweckverband

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Franz Rauch, Geschäftsleiter des Wasserzweckverbands Freising-Süd, ist mit Herzblut dabei bei der Wasserversorgung

Schatz der Erde

Manche sind zum Aufdrehen, andere zum Draufdrücken und bei einigen reicht es, die Hände vor den Sensor unter den Hahn zu halten und es fließt. In Deutschland ist der Zugang zu Wasser in Trinkqualität, 24/7 in jedem Haushalt so selbstverständlich, wie die Luft zum Atmen. „Bei uns liegt der Grad der Lieferung bei 100 Prozent. Es gibt Ausnahmen, wie einen Rohrbruch oder wenn etwas gebaut wird und Unterbrechungen notwendig sind, dann gibt es vielleicht mal bis zu einem Tag kein Wasser“, bestätigt Franz Rauch, Geschäftsleiter, des Wasserzweckverbands Freising-Süd. Wie wertvoll diese Selbstverständlichkeit ist, merken die meisten erst, wenn morgens die Dusche nicht geht oder der Kaffee nicht durchläuft. „Dann ist die Hölle los“, weiß der 58-Jährige.

Rund hundert Meter

Das Wasser des Zweckverbands, den es beinahe 70 Jahre gibt, kommt aus Hallbergmoos, Fahrenzhausen und aus Neufahrn, wo es beispielsweise insgesamt sieben Trinkwasserbrunnen gibt. „Es ist ein wahrer Schatz unserer Erde, das hat etwas mit der Eiszeit und Schotterebene zu tun. Oberbayern ist besonders beschenkt“, sagt Franz Rauch. Grundwasser, das bis zu 15 Meter tief liegt, eignet sich, um den Garten zu gießen oder dient als Kühlwasser für die TU in Garching. Um an das wahre trinkbare Juwel zu kommen, müssen die Pumpen das Wasser aus der sogenannten Tertiärschicht, dem zweiten Grundwasserstock in 80 bis 120 Meter Tiefe, holen, erklärt der studierte Mess- und Regelmechaniker: „Faktisch hat das Trinkwasserqualität, da ist nur Eisen und Mangan drin, das muss raus. Es ist ein relativ einfacher Prozess. Über Luftsauerstoff werden Oxidatoren mit dem Wasser verbunden, das Eisen und Mangan fällt aus und bleibt in Kiesfiltern hängen, quasi wie bei der Kaffeemaschine, nur umgekehrt, das ist dann unser Reinwasser.“

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„Es ist ein wahrer Schatz unserer Erde, das hat etwas mit der Eiszeit und Schotterebene zu tun. Oberbayern ist besonders beschenkt.“

Franz Rauch, Geschäftsleiter des Wasserzweckverbands Freising-Süd

Grundwasser nicht überall

Im Gegensatz dazu steht beispielsweise das Rheinwasser in Nordrheinwestfalen. Versorger leiten Wasser aus dem Strom ab und bereiten es aufwendig und damit kostspielig auf. „Auch die Bodenseewasserversorgung transportiert Wasser bis nach Frankfurt, das ist den meisten nicht bewusst, oder nach Franken. Die haben dort das Problem durch die karstigen Böden. Das Regenwasser sickert sofort durch und ist weg für die Wassergewinnung“, macht Franz Rauch deutlich. „Im Gegensatz dazu benötigt das Regenwasser hier ziemlich lange, bis es durch die Schichten sickert. Dadurch wird es zudem gereinigt.“

Unbekannte Top-Qualität

Die Qualität des Grundwassers im Gebiet des Zweckverbands, das inzwischen 215 Quadratkilometer umfasst, ist also exzellent. Kurioserweise wissen manche Menschen nicht, wie Trinkwasser in solch Qualität schmeckt, weiß Franz Rauch und lacht. „In Bad Tölz, die genauso ausgezeichnetes Wasser haben, mussten die Versorger für die stationierten US-Soldaten in der Kaserne, das Wasser mit Chlor behandeln. Für sie ist nicht gechlortes Wasser ungenießbares Wasser.“ Ein Beigeschmack, der hierzulande wohl eher Bilder von spärlich bekleideten Menschen im Schwimmbad hervorruft. Hartnäckig hält sich auch ein anderes Vorurteil. „Oft fragen die Leute, wie das mit dem Blei in den Leitungen sei. Da muss ich schon mal fragen: Wo gibt es denn bei uns noch Bleileitungen? Vielleicht noch in den Königschlössern, aber in normalen Häusern doch nicht.“ Ebenso skeptisch verhalten sich viele, wenn sie Rost sehen: „Das ist Eisenoxid, also nichts giftiges, schaut nur nicht schön aus“, erläutert Rauch. Der „absolute Klassiker“ sei aber Kalk. „Wir sind im Härtegradbereich zwischen mittel und hart, das schwankt immer um Zehntel. Wasser, das weniger Kalk aufweist, kommt meist aus Talsperren oder aus der Filtration und ist somit kein Grundwasser.“

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Oberste Priorität

Um die Reinheit des Trinkwassers zu gewährleisten, schickt der Zweckverband regelmäßig Proben in ein zertifiziertes Labor. Außerdem entnehmen Mitarbeiter des Gesundheitsamts unangekündigt täglich Proben aus Hähnen, die beispielsweise in Schulen oder beim Gesundheitsamt hängen. „Die mehrfache Qualitäts-Absicherung ist absolut in unserem Interesse“, so Franz Rauch, er betont: „Wir wollen 100-prozentig sauberes Wasser, in 100-prozentiger Bedarfsmenge gewährleisten und liefern.“ Wasserrahmenrichtlinien der EU geben genau vor, welche Qualität abgegebenes Wasser aufweisen muss. Allerdings kann es in Südeuropa nach Chlor schmecken. „Wir haben nur den Vorteil, dass unser Wasser so gut ist“, meint Franz Rauch. Einzig Nitrat sei eine heikle Geschichte und könne das Wasser verderben: „Bei uns in der Gegend arbeiten die Landwirte sehr gut mit Düngern, aber ich habe Kollegen im Straubinger Raum, da ist die Schweinezucht verbreitet. Es kommt dort viel mineralischer und organischer Dünger zum Einsatz, das „versaut“ im wahrsten Sinne des Wortes, das Grundwasser. Die müssen sehr viel Geld in die Hand nehmen, um das Wasser wieder sauber zu bekommen.“ Das sei absurd, hier müsse ein generelles Umdenken stattfinden, gibt Rauch zu Bedenken.

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Blut und Wasser

Franz Rauch übt seinen Beruf mit Leidenschaft aus, wie aus seiner Sicht jeder, der in dem Bereich arbeitet: „Ob das im kleinen Rahmen ist, also ein Mitarbeiter, der eigentlich auf dem Bauhof arbeitet, nebenbei die Wasserversorgung in einem kleinen Dorf stemmt, oder die ganz großen, wie in München: Jeder Wasserversorger ist mit Herzblut dabei.“

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Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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