„Auf a Hoibe mit Helsing“ Drohnenfabrik oder Technologie-Campus?

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„Auf a Hoibe mit Helsing“ – Geschäftsführer Wolfgang Gammel (li) stellt sich den Fragen.

„Was haben wir da draußen eigentlich vor?“ Mit dieser Frage eröffnet Helsing-Geschäftsführer Wolfgang Gammel im Wirtshaus zum Kramerwirt den Abend „Auf a Hoibe mit Helsing“ – und umreißt, worum es gehen soll: über Vorwürfe und Gerüchte zu sprechen und Informationen zum geplanten Projekt zu geben. Zwischen Schlagworten wie „Kriegsproduktion“, „Drohnenfabrik“ und „Bunkeranlagen“ und den von Helsing vorgestellten Planungen für einen Technologie-, Forschungs- und Produktionscampus stellen sich bei den Anwesenden einige Fragen. „Uns ist es wichtig, einige Sachen ins rechte Licht zu rücken“, sagt Gammel: „Wir planen derzeit keine Drohnenfabrik, sondern einen Technologiecampus für Forschung, Entwicklung und Produktion.“ Und weiter: „Was genau wir am Standort Hallbergmoos produzieren werden, hängt natürlich auch von der konkreten Nachfrage ab.“

Erste Visualisierung des Campus
Knapp 60 Interessierte sitzen und stehen dicht gedrängt in der Wirtsstube und richten ihren Blick auf eine Visualisierung, die auf einer Staffelei in der Mitte des Gastraums steht und erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen ist. Sie zeigt das geplante Projekt aus einem Blickwinkel von oben dar. „Bisher haben wir bewusst noch nichts gezeigt“, erklärt Gammel und nennt den Grund: Im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens kann es zu Auflagen kommen. „Vielleicht müssen wir das eine oder andere Gebäude verändern. Dann könnte der Vorwurf kommen, wir hätten anfangs etwas gezeigt, was sich in der Realität anders darstellt.“ Die Studie zeigt einen Gebäudekomplex mit einem größeren Bau auf der sogenannten Senderwiese. An dessen Längsseite schließen sich drei deutlich kleinere Gebäude, an der Stirnseite zwei weitere kleinere Bauten an. Dazu kommen Parkflächen, Bäume säumen das viereckige Gelände. „Wie bekannt würde Helsing 25 Hektar der Wiese entwickeln“, erläutert Gammel die Größe des Projekts.

Verkehr und Anlieferung im Blick
Das „kompakte Campus-Konzept“ umfasst Bereiche für die Verwaltung, Entwicklung und eine eingeschossige Produktionsfläche, die unter 15 Meter hoch sein soll. Derzeit geht Helsing von etwa 300 bis 500 Mitarbeitenden aus, etwa zwei Drittel sollen aus dem Ingenieursumfeld und ein Drittel aus Logistik, Montage und Verwaltung kommen. Wegen der direkten Lage an der Bundesstraße und der Nähe zur S-Bahn erwartet Helsing für Hallbergmoos keine höhere Verkehrsbelastung, auch nicht durch Anlieferungen. „Ich sehe keinen Grund, den Verkehr durch die Ortschaft zu lenken. Und maximal 20 Lkw fallen bei rund 20 000 Verkehrsbewegungen täglich kaum ins Gewicht.“

Fragen zur Umwelt, Lärm und Bunker
Giftige oder explosive Stoffe, die das Grundwasser belasten könnten, oder Lärmbelästigung durch die Herstellung seien laut Gammel nicht zu erwarten, räumt aber ein: „Ob der Lichtsmog nachts ein Thema sein wird, kann ich heute nicht abschließend klären.“ Auch auf das Gerücht „Bunkeranlagen“ geht Gammel ein: „Untertage-Anlagen sind weder geplant noch sollen sie gebaut werden, dazu gibt es keine Notwendigkeit.“

„Uns ist es wichtig, einige Sachen ins rechte Licht zu rücken.
„Wir planen derzeit keine Drohnenfabrik, sondern einen Technologiecampus für Forschung, Entwicklung und Produktion.“ 

Wolfgang Gammel, Geschäftsführer Helsing.

„Untertage-Anlagen sind weder geplant noch sollen sie
gebaut werden, dazu gibt es keine Notwendigkeit.“

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Visualisierung/Designstudie für das Ansiedlungsvorhaben auf der Senderwiese der Fa.Helsing.

Sicherheit und Standort
Es dauert lange, bis der Geschäftsführer alle Eckpunkte vorstellen kann. Vor allem aus dem Umfeld der Bürgerinitiative und von drei Klimaaktivisten aus München und Freising kommen immer wieder Nachfragen. So sei aus der Studie kein Schutzzaun ersichtlich, merkt ein junger Klimaschützer, der sich als Quentin aus München vorstellt, an. Der Zaun verschwinde optisch hinter der Bepflanzung, entgegnet Gammel. Ein Vertreter der Bürgerinitiative kritisiert, Schutz mit einem Zaun sei ohnehin nicht möglich: „Ich will nicht spekulieren, aber der wird uns weder vor Sabotage noch vor Angriffen schützen.“ Zudem befürchte er den „künstlichen Aufbau eines Feindes“. In der weiteren Diskussion widerspricht Gammel einer Bemerkung, Helsing liefere Waffen für einen Angriffskrieg: „Davon muss ich mich ganz deutlich distanzieren.“ Ein weiterer Kritiker sieht in den Drohnen „Waffen gegen Russland“ und zweifelt an der These, Putin sei der Aggressor im völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Auf die Anmerkung, es handle sich um Rüstungsbeschleunigung, „der Bau wird schnell passieren“, verweist Gammel auf einen Unterschied: „Das Gesetz betrifft Liegenschaften der Bundeswehr. Das hier ist aber keine Liegenschaft der Bundeswehr.“ Ein weiterer Diskussionsteilnehmer spricht sich gegen den Standort aus, da er in Hallbergmoos keine Rüstungsfirma wolle, deren KI-gestützte Drohnen Menschen töten könnten. Gammel erklärt in diesem Zusammenhang, es handle sich um eine Resilienz-Fabrik: „Wir produzieren für den Verteidigungsfall. Wir wollen nicht angegriffen werden. Es geht um den Schutz vorher und nicht um das Szenario, wenn bereits Bomben fallen.“

Grundsatzdebatten über Verteidigung
Ferdinand Issels, der Helsing strategisch und politisch nach außen vertritt, schaltet sich schließlich ein: „Hier werden Punkte vermengt. Da geht es um geopolitische Fragen. Als Privatunternehmen können wir nicht die großen Debatten unserer Zeit kommentieren oder lösen.“ Sabrina Adamo-Koczorowski aus Hallbergmoos meldet sich: „Heute sollte es um konkrete Fragen zum Bau gehen, genau deshalb bin ich hier. Hallbergmoos wird weder einen Krieg provozieren, noch herausfordern oder lösen.“ Jemand aus dem Publikum pflichtet ihr bei und meint: „Wir sind keine grüne Wiese, die ihre Unschuld verliert, wir haben bereits Rüstungsunternehmen im Gewerbegebiet.“ Schließlich ergreift der Bundestagsabgeordnete Christian Moser (CSU) angesichts der „abgedrifteten Diskussion“ das Wort: „Wir stehen vor einer Zäsur in der gesamten Verteidigungspolitik weltweit.“ Da sich die USA schrittweise aus der NATO zurückziehen, gehe es nicht mehr darum, aufzurüsten, sondern vielmehr darum, sich auszurüsten. Deutschland könne derzeit bestimmte zugesagte Ziele hinsichtlich der Verteidigung in der NATO nicht erfüllen und Russland schaue „ganz genau auf Schwächen“: „Es geht nicht darum, etwas zu provozieren“, so Moser. Er verstehe Sorgen und Ängste, doch vor der Realität die Augen zu verschließen, sei keine Alternative. „Hier geht es um Zukunftstechnologie und darum, diesen europäischen Laden zusammenzuhalten, denn das wird schwieriger denn je werden.“

Naturschutzverfahren laufen
Ein Aktivist fragt zum Schluss, wie der Plan angesichts des möglichen Verlusts des Lebensraums von Tieren zu rechtfertigen sei. Hierzu erläutert Bürgermeister Benjamin Henn: „Die arten- und naturschutzrechtlichen Verfahren laufen. Es wird erfasst, wie viele Vogelarten dort sind. Auf Grundlage der Ergebnisse, müssen Ausgleichsflächen geschaffen werden.“ Bereits im Norden von Hallbergmoos sei nach dem Fund von Feldlerchen das „komplette Baufeld“ der geplanten PV-Anlage abgeändert worden, um Ausgleichsflächen zu schaffen: „Die Richtlinien sind sehr streng. Das kostet extrem viel Geld. Sie nehmen das aber in Kauf, damit Tiere und Pflanzen geschützt werden können.“ Außerdem wolle niemand Hallbergmoos „mit Gewerbegebieten zupflastern“. Es gehe darum, „gesund und verträglich zu wachsen“, um den Lebensstandard halten zu können, der für die Vereine, die Kinderbetreuung und anderes Existentielles wichtig sei, so Henn. „Wir müssen in der Diskussion aufpassen, dass es faktenorientiert bleibt“, meint abschließend Gammel: „Lassen sie es nicht so weit kommen, dass der eine Nachbar nicht mehr mit dem anderen redet.“

„Die Richtlinien sind sehr streng. Das kostet
extrem viel Geld. Sie nehmen das aber in Kauf,
damit Tiere und Pflanzen geschützt werden können.“

Benjamin Henn, Bürgermeister.

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Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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