Das tragische Schicksal von Boško und Admira, von Dragana Gajić und Marko Ševarlić umgesetzt in herzergreifende Musik.
Das Akkordeon – ein Instrument, das alles kann!
Dass das erstKlassiK-Konzert am 27. Juni, einem der heißesten Tage des Monats, vom Gemeindesaal in die Herz-Hesu-Kirche in Goldach verlegt wurde, fand allgemeine Zustimmung. Es war das Eröffnungskonzert für das Sommerfestival, das heuer ganz im Zeichen des Akkordeons stand. Vladimir Genin begrüßte das Publikum, das in lockeren Reihen die Kirche füllte. Der Hauptakteur des Abends, Marko Ševarlić, bedankte sich bei den Gästen für ihr Kommen und mit einem Augenzwinkern stellte er Vermutungen über die Gründe dafür an: „Entweder Sie lieben das Akkordeon oder Sie sind sehr mutig!“ Das Programm versprach ein ungewöhnliches Konzerterlebnis. Marko Ševarlić ist ein international profilierter Akkordeonist.
Er trat bereits in vielen Konzertsälen in aller Welt auf und wurde mehrfach bei bedeutenden internationalen Wettbewerben ausgezeichnet. Das Zentaur-Quartett spielt vorwiegend zeitgenössische Musik sowie Musik des vorigen Jahrhunderts. Alle Mitglieder des Quartetts komponieren, improvisieren und musizieren in verschiedenen Konstellationen. Jurgis Buinevičius (Kontrabass) ist im Orchester- und Kammermusikbereich tätig und wirkt sowohl in verschiedenen Ensembles als auch bei unterschiedlichen Projekten mit. Dragana Gajić, Geigerin, Bratschistin und Pädagogin, tritt solistisch, in Kammermusik-Ensembles und mit Orchestern auf. Sie bewegt sich musikalisch zwischen Klassik, zeitgenössischer Musik und stilistisch offenen Projekten. Das Konzert begann mit dem Cembalo-Konzert Nr. 5 in f-Moll von Johann Sebastian Bach. Das Largo aus diesem Konzert, eine sehr bekannte Melodie, wurde an diesem Abend von Marko Ševarlić auf dem Akkordeon gespielt, begleitet von gezupften Tönen auf den Streichinstrumenten. Das zweite Stück stellte hohe Ansprüche, nicht nur an die Interpreten, sondern auch an das Publikum. Es war das Konzert für Akkordeon und Streicher von Vladimir Genin, bekannt als künstlerischer Leiter der Musikschule Hallbergmoos-Neufahrn. Besucher von erstKlassiK-Konzerten kennen und schätzen ihn jedoch auch als Pianist und Komponist. Das Konzert besteht aus drei Teilen: Improvisation & Allegro, Adagio und Burleske. Es ist ein Werk voller Kontraste, einerseits hochdramatisch und voller Spannung, dann plötzlich überraschend sanft und melodisch, oft ein Zwiegespräch zwischen Akkordeon und Streichern, das von den Musizierenden höchste Konzentration und Genauigkeit verlangt. Im dritten Teil steigert sich das Ganze dann und führt in rasender und atemberaubender Fahrt ins Finale. Nach der Pause änderte sich das Bild. Marko Ševarlić und seine Ehefrau Dragana Gajić spielten die Suite „Romeo und Julia aus Sarajewo“. Es geht dabei um das tragische Schicksal von Boško und Admira, er ein orthodoxer Serbe, sie eine bosnische Muslimin, ein Liebespaar, das allerdings nicht, wie Romeo und Julia in Verona durch die verfeindeten Familien getrennt wird, sondern durch den Krieg
Boško und Admira wurden 1993 erschossen, als sie aus der belagerten Stadt Sarajevo flüchten wollten, gemeinsam fanden sie den Tod im Niemandsland – eine leider wahre Geschichte über Liebe, Verlust und Tod. Mikołaj Majkusiak komponierte diese Suite, die von Marko Ševarlić und Dragana Gajićauf Bratsche und Akkordeon eindringlich und berührend gespielt wurde.
Zwischen den einzelnen Sätzen führte Marko Ševarlić durch die Handlung, die durch die Musik so beeindruckend und herzergreifend verdeutlicht wurde. „Nach so einem Stück sollte ein Konzert eigentlich beendet sein“ sagte Marko Ševarlić anschließend. Doch die Künstler hatten sich darauf geeinigt, zumindest drei statt der vorgesehenen fünf Teile der „Five Tango Sensations“ von Artur Piazolla zu spielen, und zwar „Schlaf“, „Liebe“ und „Angst“, hochemotionale Stücke, die die Gefühle des jeweiligen Titels eindringlich und nachvollziehbar zu Gehör bringen. Die Künstlerinnen und Künstler musizierten mit Hingabe, hoher Konzentration und beeindruckendem Können, ein gelegentlicher Blicktausch oder ein Lächeln reichten zur Verständigung aus. Das erstKlassiK-Publikum zeigte sich wie immer als konzerterfahren und kompetent, an keiner Stelle wurde voreilig geklatscht. Doch als das Konzert zu Ende war, brach sich die Begeisterung Bahn. Mit Standing Ovations, Bravo-Rufen und anhaltendem Beifall bedankten sich die Gäste für diesen außergewöhnlichen Konzertabend und sie durften sich zum Abschluss dann doch noch über eine Zugabe freuen.
Für Sie berichtete Maria Schultz.












